Natura2000 VSG Artensteckbrief: Sperlingskauz



Steckbrief zur Art A217 der Vogelschutz-Richtlinie

Sperlingskauz (Glaucidium passerinum)


Sperlingskauz (Glaucidium passerinum)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Rote Liste RLP Erhaltungszustand
- - * * g günstig
Status RLP Bestand D Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; Jahresvogel 1.600 – 3.400 Brutpaare 30 – 50 Brutpaare zunehmend (stark schwankend)


Kennzeichen:


Länge 16 – 19 cm. Kleinste Eule Europas (deutlich kleiner als Steinkauz oder Rauhfußkauz) mit flachem, aber breitem Kopf ohne Federohren und mit weißem Gefiederstreifen über kleinen gelben Augen. Schwanz ragt über Flügelspitzen hinaus, Schwanz-Stelzen ist ein artspezifisches Merkmal. Verwechslung von Sperlingskäuzen mit den deutlich größeren adulten Rauhfußkäuzen nur bei schlechter Sicht wahrscheinlich. Der Sperlingskauz ist hauptsächlich dämmerungsaktiv, sitzt jedoch auch tagsüber gerne auf den Wipfeln von Fichten. Menschen gegenüber ist er wenig scheu, aber besonders gegenüber Artgenossen und tierischen Feinden an der Bruthöhle erstaunlich aggressiv. Flug ist teils spechtartig wellenförmig, teils schnell und gerade. Nisten bevorzugt in Buntspechthöhlen in Fichten oder in Laubbäumen in der Nähe von Nadelhölzern, scheinen dabei auch reviertreu zu sein. Adulte  Sperlingskäuze sind an den zarten Tüpfeln an Stirn und Kopfseiten, markanten Augenbrauen und 4 (5) Schwanzbinden erkennbar. Ihr Gesang besteht aus einer gleichförmigen Serie weicher Pfeiftöne (dem Gimpel ähnlich); hat ein sehr eintöniges, relativ geringes Stimmrepertoire.


Lebensraum:

Der Sperlingskauz kommt vorwiegend in den Alpen und den Mittelgebirgen, aber auch zunehmend in tiefer gelegenen Waldgebieten vor. Er bevorzugt abwechslungsreiche, aufgelockerte Nadel- und Mischwälder mit Lichtungen für die Jagd, Mooren und kleinen Gewässern. Er benötigt Anteile an stehendem Totholz in seinem Revier. Außerdem ist für den Höhlenbrüter eine große Zahl an Spechthöhlen wichtig.


Biologie und Ökologie:

Sperlingskäuze leben in monogamer Saisonehe, gelegentlich auch in Dauerehe. Auf die Herbstbalz im Oktober (die ausschließlich der Revierabgrenzung dient) folgt Anfang März bis Mitte April die eigentliche Balz. Das Weibchen brütet die 3 –  7 Eier 28 – 29 Tage lang. Die Nestlingszeit dauert 30 –  40 Tage, nach ca. 33 Tagen sind die Jungen dann flugfähig, nach etwa vier weiteren Wochen lösen sich die Familien auf. 

Auf der Jagd erbeutet der Sperlingskauz Kleinsäuger (vor allem Erd-, Rötel- und Waldspitzmäuse, und insbesondere auch Kleinvögel bis zur Größe einer Amsel). Häufig werden Buchfinken und Tannenmeisen gejagt. Vögel werden meistens durch Überraschungsangriffe, manchmal aber auch durch Verfolgungsjagden erbeutet. Bodentiere werden durch Ansitzjagd geschlagen.

Aufgrund seiner Kleinheit hat der Sperlingskauz eine Reihe von natürlichen Feinden, unter anderem den Baummarder, den Sperber und den Habicht, aber auch andere Eulenarten, wie den Waldkauz.

Der Sperlingskauz ist ein Standvogel, wobei vor allem die Männchen sehr reviertreu sind, während Weibchen und Jungtiere umherziehen können.



Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Die kleine Eule ist von Südskandinavien und Ostpolen bis nach Ostsibirien verbreitet. In Mitteleuropa befinden sich seine Verbreitungsschwerpunkte im alpinen Raum und in den Mittelgebirgen (unter anderem im Thüringer Wald, im Bayrischen Wald und im Schwarzwald).


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

6812-401 - Pfälzerwald


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Links:

Dr. Kirk  –  www.eulenwelt.de – Sperlingskauz.


Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bauer, H.-G., Berthold, P., Boye, P., Knief, W., Südbeck, P. & K. Witt (2002): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands (3. überarb. Fassung, 8.5.2002). – Berichte zum Vogelschutz 39: 13-60, Nürnberg.

Bauschmann; Geske; Hormann; Jokisch; Kubrian; Löffler; Lösenkrug; Richarz; Rüblinger & Wimkel (2007): Natura 2000 praktisch in Hessen –  Artenschutz im Lebensraum Wald.

Bay. Landesamt für Umweltschutz: Erhaltungsziele für die Arten der VS-RL: Rauhfußkauz – Aegolius funereus. 

Beaman, M. & S. Madge (1998): Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Bezzel, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wiesbaden. 

Bezzel, E. (1995): BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München. 

Bosselmann, J. (2000): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Watvögel bis Spechte. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft V. – Mayen. 

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon (im Druck): Rote Liste der Vögel in Rheinland-Pfalz. 

Flade, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching. 

Kunz, A. & C. Dietzen (2002): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – eine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau. 

Kunz, A. & L. Simon (1987): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau. 

Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (2006): Im Portrait – die Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie.

Mebs, T. & W. Scherzinger (2000): Die Eulen Europas. Biologie, Kennzeichen, Bestände. – Kosmos, Stuttgart. 

Scherzinger, W. (1981): Vorkommen und Gefährdung der 4 kleinen Eulenarten in Mitteleuropa. – Ökol. Vögel 3, Sonderheft: 283-292. 

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie.
Frankfurt/M. 


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.