Natura2000 VSG Artensteckbrief: Zippammer



Steckbrief zur Art A378 der Vogelschutz-Richtlinie

Zippammer (Emberiza cia)


Zippammer (Emberiza cia)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Rote Liste RLP Erhaltungszustand
- x 2 1 s ungünstig/schlecht
Status RLP Bestand D Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; verlässt das Brutgebiet im Winterhalbjahr zumeist; Durchzügler und Wintergast 320 – 550 Brutpaare 250 – 300 Brutpaare abnehmend


Kennzeichen:


Länge: 15 – 16,5 cm. Die Zippammer ist ein Vogel felsiger, gebüschreicher Berghänge. Sie ähnelt in Größe und Gestalt der Goldammer E. citrinella, sie zeigt wie diese auffallend rostbraune Färbung von Bürzel und Oberschwanzdecken; die verhältnismäßig kürzeren Flügel lassen jedoch – besonders im Flug – den Schwanz etwas länger erscheinen. Beide Geschlechter mit grauer Färbung von Kopf und Brust, kontrastiert mit dem schwarzen, zaumzeugartigen Gesichtsmuster und der intensiven rostbraunen Unterseitenfärbung. Oberseite warm braun und streifig, auf den mittleren Armdecken eine schmale weiße Binde. Jungvögel kräftig gestreift, ähnlich matt gefärbten juvenilen Goldammern, jedoch ohne deren Gelbtöne, ferner mit rostisabellfarbener hinterer Unterseite und mit deutlicher, schmaler weißer Binde auf den mittleren Armdecken. Gewöhnlich paarweise, in Familientrupps oder kleinen Verbänden an gebüschbestandenen, felsigen Berghängen; selbst im Winter kaum mit anderen Ammern vergesellschaftet. Beim Abfliegen wird das auffällige Weiß auf den äußeren Steuerfedern erkennbar. Singt auf exponierten Warten, auf einem Felsen oder einer Buschspitze. Ruft kraftlos, aber scharf „tzi“ oder „tzit“ (dünner und höher als die Zaunammer E. cirlus), kräftiger „tjüp“ und, bei Gefahr, dünn, piepsend „siieh“. Im Flug oder beim Landen ein klapperndes „sitititi“ oder mehr vibrierend „zidididi“. Der Gesang ist recht unauffällig und erinnert an eine Heckenbraunelle Prunella modularis: eine Reihe schneller, hastiger, hoher, auf- und absteigender Töne, die oft mit „zip“ eingeleitet werden.


Lebensraum:

Offene, felsige Hügel und Berghänge, oft mit Büschen und vereinzelten Bäumen, besonders extensiv bewirtschaftete Weinberge; kleine Felder und Gärten im Gebirge, ferner Lichtungen und Ränder von hochgelegenen Wäldern, gelegentlich auf Windwurfflächen und Kahlschlägen, häufiger auch Steinbrüche.


Biologie und Ökologie:

In Mitteleuropa sind Zippammern Standvögel oder Teilzieher, wobei der Anteil von Überwinterungen im Brutgebiet stark schwankt. Überwinterungsgebiete deutscher Zippammern liegen in Süd- und Südwestfrankreich, aber auch in Rheinland-Pfalz gelingen Winterbeobachtungen.

Die Zippammer besiedelt ihre Brutgebiete bereits im März. Die Brutperiode reicht von März bis in den August und umfasst in der Regel 2 Jahresbruten. Die Ankunft im Brutgebiet kann schon sehr zeitig mit Frühlingsbeginn oder gar im Spätwinter erfolgen. Allerdings streifen die Vögel bis zum Beginn der eigentlichen Brutzeit häufig – oft witterungsbedingt – beträchtlich weit umher. Die Sangesaktivität beginnt zuweilen schon an schönen Wintertagen. Das gut versteckte Nest befindet sich am Boden oder in Bodennähe in dichtem Gestrüpp, in Büschen oder in Felsspalten, Mauern und zwischen Steinblöcken. Der Legebeginn liegt frühestens in der letzten April- und ersten Maidekade. Bei den zwischen Anfang Juni und Mitte Juli festgestellten Brutbeginnen handelt es sich wohl im Wesentlichen schon um zweite Jahresbruten. Die Gelegegröße beträgt 3 – 5 Eier. Die Brutdauer liegt bei 14 Tagen, die Nestlingszeit bei 10 – 13 Tagen. Nach dem Ausfliegen bleiben die Familien in der Regel noch 2 – 3 Wochen zusammen. In dieser Zeit sind sie recht auffällig. Die Nahrung besteht aus einer Vielzahl von Sämereien und Wirbellosen, besonders Insekten. Die Nestlinge werden ausschließlich mit anima­lischer Nahrung gefüttert. Die Fluchtdistanz liegt bei 30 bis 50 m.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Brutvogel in der gemäßigten, mediterranen und Steppenzone sowie in Gebirgsregionen der Süd-Paläarktis von Nordwest-Afrika bis Südwest-Sibirien, Afghanistan, Indien und Tibet. In Mitteleuropa außerhalb der Schweiz inselartige Vorkommen in klimatischen Gunsträumen, die außerhalb des zusammenhängenden Areals liegen. Entlang des Rheins reichen diese Brutvorkommen bis Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen, wobei diese Verbreitungsgebiete die nördlichsten Vorposten in Europa darstellen. In Rheinland-Pfalz brütet die Art entlang folgender Flüsse (Weinanbaugebiete): Mosel, Nahe, Rhein, Lahn und Ahr.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5507-401 - Ahrgebirge
5711-401 - Mittelrheintal
5809-401 - Mittel- und Untermosel
5908-401 - Wälder zwischen Wittlich und Cochem
6210-401 - Nahetal
6514-401 - Haardtrand


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Beaman, M. & S. Madge (1998):
Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Berck, K.-H.
(1995): Zippammer Emberiza cia. – In: Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (Hrsg.) (1995): Avifauna von Hessen, 2. Lieferung.

Bezzel, E. (1993):
Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Passeres. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995):
BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bosselmann, J.
(2003): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Seetaucher bis Enten. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft VI. – Mayen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon
(1992): Rote Liste der in Rheinland-Pfalz gefährdeten Brutvogelarten (Stand 31.06.1992). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6: 1065-1073.

Dietzen, C. & V. Schmidt
(2002): Ornithologischer Sammelbericht 2001 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 27.

Dietzen, E., Folz, H.-G. & E. Henß (2004):
Ornithologischer Sammelbericht 2003 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32.

Dietzen, E., Folz, H.-G., Henß, E., Eislöffel, F., Jönck, F., Hof, M. & C. Hof
(2003): Ornithologischer Sammelbericht 2002 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30.

Groh, G. (1982):
Zur Ökologie, Biometrie und zum jahreszeitlichen Vorkommen der Zippammer (Emberiza cia) in der Pfalz. – Mitt. Poll. 70: 217-234.

Groh, G. & D. Raudszus (1990):
Wieder singen Zippammern am Haardtrand. – Pollichia Kurier 6: 53-54.

Hagemeijer, W. J. M. &  M. J. Blair
(1997): The EBBC-Atlas of European breeding Birds – Their Distribution and Abundance. – Poyser, London.

Hölzinger, J.
(1997): Die Vögel Baden-Württembergs – Singvögel 2. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002):
Die Vögel in Rheinland-Pfalzeine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau. 

Kunz, A. & L. Simon (1987):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau. 

Rheinwald
, G. (1993): Atlas der Verbreitung und Häufigkeit der Brutvögel Deutschlands – Kartierung um 1985. – Schriftenreihe des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten Nr. 12. – Rheinischer Landwirtschaftsverlag, Bonn.

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland
(2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M. 

Svensson, L., Grant, P., Mullarney, K. & D. Zetterström
(1999): Der neue Kosmos-Vogelführer. – Stuttgart.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.