Natura2000 VSG Artensteckbrief: Ziegenmelker



Steckbrief zur Art A224 der Vogelschutz-Richtlinie

Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus)


Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
X - 3 5.600 – 6.400 Brutpaare
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; verlässt das Brutgebiet im Winterhalbjahr; Durchzügler ca. 90 – 140 Brutpaare gleichbleibend


Kennzeichen:

Länge 26 – 28 cm. Dunkelbraune Nachtschwalbe mit schmetterlingsartigem Balzflug, bei dem die Flügel zwischen den Schlägen nach oben gehalten werden und öfter ein Flügelklatschen zu hören ist. Weibchen ohne die weißen Flügelabzeichen und die weißen Spitzen der äußeren Steuerfedern; heller Kehlfleck oft kleiner und mit isabellfarbener Tönung. Abgetragenes Gefieder der Altvögel weniger kontrastreich, Unterseite etwas heller. Jungvögel ähnlich Weibchen, aber insgesamt heller und mit noch kleinerem Kehlfleck. Der Reviergesang des Männchens ist ein deutliches, weit hörbares, hohl klingendes Schnurren, das fünf Minuten oder länger von einer Warte aus vorgetragen wird. Ebenso dient Flügelklatschen der Reviermarkierung.


Lebensraum:

Die Besiedelung eines Raumes ist offensichtlich von einer günstigen Korrelation zwischen hoher Wärmekapazität des Bodens und geringer Fähigkeit zur Wärmeleitung in den Untergrund und damit hoher Wärmeabstrahlung an die darüber liegenden Luftschichten abhängig, besonders am Abend, wenn die Tageseinstrahlung beendet ist. Der Ziegenmelker brütet bevorzugt auf Heidegebieten und lichten Waldflächen (meist Kiefern-, seltener in Misch- oder Laubwald), auch in Randlagen von Mooren und in Dünengebieten. Aufgrund der besseren Wärmeabstrahlung am Abend in Mitteleuropa meist auf sandig-(steinigem) Boden und in lichten Wäldern; benötigt Freiflächen (Lichtungen, Kahlschläge, Schneisen) als Jagdgebiete, und auch die Brutplätze befinden sich in der Nähe.


Biologie und Ökologie:

Dämmerungs- und nachtaktiver Flugjäger, der ab Mitte April im Brutgebiet eintrifft. Die Hauptrückkehrzeit ist jedoch in der 1. und 2. Mai-Dekade und dehnt sich bis Ende Mai aus. Balz und Reviergründung beginnen mit dem Eintreffen der Weibchen 4 – 5 Tage nach den Männchen. Legebeginn: Die Brut und Jungenaufzucht umfassen den Zeitraum zwischen Anfang Juni und Mitte August; im Allgemeinen finden zwei Bruten statt. Das Gelege besteht aus 2 Eiern, die Brutzeit beträgt witterungsbedingt ca. 17 – 20 Tage; mit etwa 15 Tagen können die Jungen schon recht gut fliegen. Selbstständig sind sie mit etwa 35 Tagen und verlassen dann die Brutreviere. Ein Nestbau erfolgt nicht, die Eier werden in einer Bodenmulde bebrütet. Der Wegzug der Jungvögel erfolgt mit dem Selbständigwerden. Bei der zweiten Brut ist dies etwa Mitte August der Fall. In dieser Zeit beginnen ebenfalls die Altvögel die Brutreviere zu verlassen, können aber auch noch im September dort angetroffen werden. Der Ziegenmelker zieht nachts und in der Regel einzeln. Er ist ein ausgesprochener Zugvogel und Langstreckenzieher, der spät ankommt und früh wieder wegzieht. Die Überwinterungsquartiere liegen vor allem im östlichen Afrika (in geringer Zahl auch in Westafrika) südlich der Sahara bis Süd-Afrika. Nahrung: Großinsekten werden im Flug erbeutet.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Das Areal der 4 Unterarten des Ziegenmelkers erstreckt sich von der borealen und gemäßigten bis zur subtropischen Zone Eurasiens und Nordwest-Afrikas, ostwärts bis Baikalsee, Mongolei und Nordwest-Indien. Die Nominatform ist in Europa weit verbreitet mit Schwerpunkten in Russland und Spanien. In Mitteleuropa vor allem in den milderen Tieflagen, aber in klimatisch günstigen Lagen auch bis 1.700 m NN, Schwerpunkte in Polen und Ungarn.

In Rheinland-Pfalz besonders verbreitet in sandigen, mit Kiefern bestockten Niederungswäldern des Oberrheins sowie im Haardtrand, keine aktuellen Vorkommen mehr im nördlichen Rheinland-Pfalz.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

6014-401 - Dünen- und Sandgebiet Mainz-Ingelheim
6210-401 - Nahetal
6313-401 - Wälder westlich Kirchheimbolanden
6512-301 - Mehlinger Heide
6514-401 - Haardtrand
6616-402 - Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Geinsheim und Hanhofen
6715-401 - Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen
6914-401 - Bienwald und Viehstrichwiesen


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bauer, H.-G., Berthold, P., Boye, P., Knief, W., Südbeck, P. & K. Witt (2002):
Rote Liste der Brutvögel Deutschlands (3. überarb. Fassung, 8.5.2002). – Berichte zum Vogelschutz 39: 13-60, Nürnberg. 

Bay. Landesamt für Umweltschutz
: Erhaltungsziele für die Arten der VS-RL: Ziegenmelker – Capri­mul­gus caprimulgus.

Beaman, M. & S. Madge (1998):
Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Bezzel, E. (1985):
Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wies­baden.

Bezzel, E. (1995):
BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon
(im Druck): Rote Liste der Vögel in Rheinland-Pfalz. 

Diehl, O. (1995
): Ziegenmelker – Caprimulgus caprimulgus – In: Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (Hrsg.) (1993-2000): Avifauna von Hessen, 2. Lieferung.

Flade, M.
(1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz – eine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau. 

Kunz, A. & L. Simon (1987):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau. 

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002):
Arten­steck­briefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M.


Copyright LfU
Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.