Natura2000 VSG Artensteckbrief: Wendehals



Steckbrief zur Art A233 der Vogelschutz-Richtlinie

Wendehals (Jynx torquilla)


Wendehals (Jynx torquilla)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Rote Liste RLP Erhaltungszustand
- X 2 3 Folgt in Kürze
Status RLP Bestand D Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; verlässt das Brutgebiet im Winterhalbjahr; Durchzügler 9.900 – 15.000 Brutpaare ca. 400 – 600 Brutpaare abnehmend


Kennzeichen:

Länge 16 – 17 cm. Dieser untypische, kleine Specht erinnert in Aussehen und Verhalten eher an einen Singvogel – eine große Grasmücke, einen kleinen Würger oder sogar an eine kleine, schlanke Drossel. Filigrane rindenfarbige Tarnzeichnung (wirkt bei schlechter Sicht jedoch recht einheitlich graubraun). Kopf und Schnabel ziemlich klein, Schwanz recht lang, Steuerfedern nicht spechttypisch steif. Die kurzen Beine sind das einzige spechtartige Feldkennzeichen. Aus der Nähe unverwechselbar durch sein fast ziegenmelkerähnliches Tarnkleid, aber aus der Entfernung vorwiegend nach dem Ausschlussverfahren zu bestimmen. Nahezu ohne auffällige Gefiedermerkmale, jedoch von oben und hinten heben sich bei gutem Licht zwei dunkle Bänder ab, die den Scheitel einfassen, zur Nackenmitte ziehen und sich vom Rand der Schulterfedern zum hinteren Mantel fortsetzen. Klettert nicht Baumstämme hoch (klammert sich jedoch gelegentlich an Stämme) und trommelt nur schwach durch leichtes Klopfen auf einen Ast. Jungvögel sehr ähnlich Altvögeln, jedoch etwas matter, bräunlicher gefärbt. Scheitel und Nacken eher braun, weniger grau, dunkle und weiße Bänderung deutlicher, dunkler Bereich vom Nacken zum Mantel weniger deutlich; Rücken-, Bürzel- und Oberschwanzdecken-Gefieder weich und locker mit rahmweißer Grundfärbung und etwas enger dunkler Bänderung (statt dichter grauer Befiederung mit feiner dunkler Fleckung). Grundfärbung der Schirm- und äußeren Schulterfedern wärmer (rostzimtfarben), weniger grau. Kehle, Vorderbrust und Flanken weniger intensiv isabellfarben, dunkle Bänderung heller (eher grau als schwarz) und weniger kontrastierend. Schwanz mit kräftigerer schwarzer Bänderung. Der Reviergesang verrät oft erst seine Anwesenheit – ein lautes und klares, aber etwas quäkendes „gjä-gjä-gjä-gjä-gjä“ (jede Silbe am Schluss mit abnehmender Tonhöhe). Klingt kräftiger, metallischer und klagender als ähnliche Rufreihen des Kleinspechts, erinnert an Turm- oder Baumfalke.


Lebensraum:

Waldränder, Lichtungen und offenes Waldland (meist Laub-, aber auch Nadelwald), Streuobstwiesen, Parks, große Gärten. Außerhalb der Brutzeit auch in Gebüsch und Offenland.


Biologie und Ökologie:

Unauffällig, hält sich oft in Bäumen oder Büschen verborgen; Nahrungssuche häufig am Boden, hüpft dabei mit leicht gestelztem Schwanz. Sitzt oft lange Zeit reglos auf einem Ast. Nimmt bei Bedrohung die typische Verteidigungshaltung ein: gefächerter Schwanz, ausgestreckter Hals und zu einer kurzen Haube aufgerichtete Scheitelfedern, dreht und wendet den Kopf seitwärts hin und her (Name!). Flug niedrig und etwas wellenförmig, meist über verhältnismäßig kurze Entfernungen zwischen Bäumen oder Büschen.

Der Wendehals ist innerhalb der Spechte der einzige ausgeprägte Weitstreckenzieher. Die Vögel der europäischen Populationen überwintern hauptsächlich in Afrika südlich der Sahara. Er ist ein Spätbrüter mit regelmäßigem Brutbeginn ab Mai und Ende der Brutperiode im August. Die Ankunft am Brutplatz erfolgt zumeist im April, selten Ende März, der Haupteinzug in die Brutgebiete findet aber deutlich später in der zweiten April-Hälfte statt, in Einzelfällen sogar erst Anfang Mai. Der Wendehals baut selbst keine Höhlen, er bezieht Spechthöhlen, ausgefaulte Löcher oder sehr gerne künstliche Nisthilfen. Legebeginn ist ab der zweiten und dritten Maipentade; die Haupt-Legeperiode liegt in der zweiten Maihälfte. Die Gelegegröße schwankt zwischen 5 und 11 Eiern; die meisten Vollgelege umfassen 8 -10 Eier. Die Brutdauer beträgt 12 – 14 Tage, im Alter von 19 bis 25 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest. Der Familienverband scheint sich aber nach 1 – 2 Monaten aufzulösen. Der Wendehals macht 1 – 2 Jahresbruten. Zweitbruten kommen regelmäßig vor. Die Nahrung besteht größtenteils aus Ameisen. Bei schlechter Erreichbarkeit von Ameisen, z. B. wegen nasskalter Witterung, weicht der Wendehals hauptsächlich auf Blattläuse aus. Die Fluchtdistanz liegt bei 30 bis 50 m.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Lokal noch häufig, aber gebietsweise abnehmend. In Großbritannien nur noch unregelmäßiger Brutvogel; hat auf Mallorca gebrütet. In Deutschland weit verbreitet, aber fast überall selten, mit abnehmender Tendenz. In Rheinland-Pfalz weit verbreitet, fehlt aber in den höheren Mittelgebirgen. Konzentrationen im Nahetal, in der Vorderpfalz, am Haardtrand; 4 Unterarten.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5409-401 - Ahrmündung
5507-401 - Ahrgebirge
5711-401 - Mittelrheintal
5809-401 - Mittel- und Untermosel
5908-401 - Wälder zwischen Wittlich und Cochem
6013-401 - Rheinaue Bingen-Ingelheim
6014-401 - Dünen- und Sandgebiet Mainz-Ingelheim
6210-401 - Nahetal
6512-301 - Mehlinger Heide
6514-401 - Haardtrand
6616-402 - Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Geinsheim und Hanhofen
6715-401 - Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen
6716-402 - Berghausener und Lingenfelder Altrhein mit Insel Flotzgrün
6812-401 - Pfälzerwald
6816-402 - Hördter Rheinaue inklusive Kahnbusch und Oberscherpfer Wald
6914-401 - Bienwald und Viehstrichwiesen


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bammerlein, R. (1993): Drastische Bestandsrückgänge von Wendehals, Heidelerche und Steinschmätzer im Regierungsbezirk Koblenz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 10: 144-155.

Bauer, H.-G. & P. Berthold
(1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bauer, H.-G., Berthold, P., Boye, P., Knief, W., Südbeck, P. & K. Witt (2002):
Rote Liste der Brutvögel Deutschlands (3. überarb. Fassung, 8.5.2002). – Berichte zum Vogelschutz 39: 13-60, Nürnberg. 

Beaman, M. & S. Madge (1998):
Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Bezzel, E. (1985):
Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wies­baden.

Bezzel, E. (1995):
BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bitz, A. (1992):
Avifaunistische Untersuchungen zur Bedeutung der Streuobstwiesen in Rheinland-Pfalz. – Beiträge Landespflege Rhein­land-Pfalz 15: 593-719.

Bitz, A. & W. Rohe (1993):
Nahrungsökologische Untersuchungen am Wendehals (Jynx torquilla) in Rheinland-Pfalz. – Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ. 67: 83-100.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon (
im Druck): Rote Liste der Vögel in Rheinland-Pfalz. 

Flade, M. (1994):
Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

Hölzinger, J. & U. Mahler (2001): Die Vögel Baden-Württembergs, Nicht-Singvögel 3. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz – eine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau. 

Kunz, A. & L. Simon (1987): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau. 

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002):
Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.