Natura2000 VSG Artensteckbrief: Wasserralle



Steckbrief zur Art A118 der Vogelschutz-Richtlinie

Wasserralle (Rallus aquaticus)


Wasserralle (Rallus aquaticus)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
- X V 10.000 – 14.000 Brutpaare
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; Jahresvogel ca. 100 – 150 Brutpaare abnehmend


Kennzeichen:

Länge 23 – 28 cm, Spannweite 38 – 45 cm. Bei guter Sicht leicht am langen, schlanken, rötlichen Schnabel zu erkennen. Altvogel an Gesicht und Unterseite schiefergrau, Flanken deutlich gebändert, Beine fleischfarben. Jungvögel matter und mehr braun gefärbt, oberseits weniger grau, jedoch Gestalt wie Altvögel. Scheu und argwöhnisch, meist an einem Grabenrand oder am Röhrichtsaum zu sehen, rennt mit gestelztem, zuckendem Schwanz in die Deckung und drückt sich hurtig durch den Bewuchs. Verrät ihre Anwesenheit durch quiekende und grunzende Rufe; viel öfter zu hören als zu sehen (kommt jedoch bei Frostwetter häufig aus der Deckung hervor). Bei schlechter Sicht Verwechslung mit Tüpfelsumpfhuhn möglich, dieses aber kurzschnäblig und mit grünen, nicht fleischfarbenen Beinen. Fliegt in typischer Sumpfhuhnmanier mit baumelnden Beinen auf, um sich rasch wieder in Deckung fallen zu lassen. Jungvögel mit isabellbräunlicher Unterseite und weißlicher Kehle; im Winter meist wie Altvögel, aber einige noch bis zum Sommer mit etwas Isabellbraun auf Ohrdecken und Brust. 

Der typische Ruf ist eine plötzlich losberstende Serie durchdringender, kreischender, etwas an Schweinequieken erinnernder Schreie, die zu einem Crescendo anwachsen und dann ersterben; oft dann zu hören, wenn ein plötzlicher Lärm Beunruhigung auslöst oder zur Zeit der Dämmerung. Reiches Lautinventar – etwa scharf, wiederholt, metallisch „küp-küp-küp“. Der Paarungsruf des Weibchens klingt ähnlich: „piip ...piip ... pii-ierrrrr“ (erinnert an den Reviergesang des Kleinen Sumpfhuhns, ist aber höher und klingt weniger melodisch).


Lebensraum:

Dichte Ufervegetation in Niederungen und Mittelgebirgslagen an größeren Seen und Weihern, überwachsene Gräben und sumpfige Wiesengebiete, oft in Schilfbeständen oder anderen Röhrichten zumeist an Still-, aber auch an Fließgewässern. Im Winter auch in Küstensümpfen und häufiger an größeren Fließgewässern.


Biologie und Ökologie:

Die Wasserralle zählt zu den typischen Röhrichtbewohnern, die ab einer gewissen Größe der Bestände an jedem Röhricht zu erwarten sind.

Die Wasserralle ist in Rheinland-Pfalz Standvogel und Teilzieher, je nach Temperatur überwintern regelmäßig Tiere in der Rheinaue. Die Überwinterungsgebiete streuen von Griechenland über Italien mit Schwerpunkt in Frankreich, zumeist nicht weiter als 1.000 km Entfernung. Wasserrallen kommen sehr zeitig im Frühjahr in die Brutgebiete zurück, je nach Witterung und Winterverlauf bereits Ende Februar/ Anfang März, das Gros der Tiere folgt dann in der 2. März- und 1. Aprildekade. Der Nestbau erfolgt sehr versteckt im dichten Pflanzengürtel von Seggenbulten, wobei Gräser und Halme oft über dem Nest zusammengezogen werden zu einem schützenden Dach. Fast alle Nester befinden sich über dem Wasser. Der Legebeginn liegt frühestens um den 10.4. Die Gelege haben Stärken zwischen fünf und zehn Eiern. Die Mehrzahl der Bruten erfolgt in der 2. Aprildekade bis in den Mai. Die Brutdauer umfasst einen Zeitraum von ca. 20 Tagen. Die ersten Jungen schlüpfen ab Anfang/Mitte Mai, oft erfolgen Zweitbruten, so dass Junge auch noch im August gesehen werden. Die Nahrung ist überwiegend animalisch, sie besteht meist aus Würmern, Insekten und deren Larven, aber auch Amphibien, Kleinvögeln und sogar Aas. Da die Art fast immer in Deckung bleibt, ist die Fluchdistanz relativ gering.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Weitverbreitet und gebietsweise häufig. Hat auf den Färöern, auf Zypern, im Libanon und in Libyen gebrütet. In Deutschland weit verbreiteter und relativ häufiger Brutvogel; überwintert gelegentlich. In Rheinland-Pfalz an allen größeren Gewässern von der Rheinebene bis zu den hohen Mittelgebirgen vertreten. Geographische Variation gering. 3 Unterarten.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5312-401 - Westerwald
5409-401 - Ahrmündung
5412-401 - Westerwälder Seenplatte
5707-401 - Jungferweiher
5807-401 - NSG Sangweiher und Erweiterung
6013-401 - Rheinaue Bingen-Ingelheim
6014-402 - Selztal zwischen Hahnheim und Ingelheim
6015-301 - NSG Laubenheimer-Bodenheimer Ried
6116-402 - Schilfgebiete zwischen Gimbsheim und Oppenheim inklusive Fischsee
6216-401 - Eich-Gimbsheimer Altrhein
6315-401 - Klärteiche Offstein
6416-401 - Bobenheimer und Roxheimer Altrhein mit Silbersee
6516-401 - Neuhofener Altrhein mit Prinz-Karl-Wörth
6616-402 - Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Geinsheim und Hanhofen
6715-401 - Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen
6716-401 - NSG Mechtersheimer Tongruben
6716-402 - Berghausener und Lingenfelder Altrhein mit Insel Flotzgrün
6716-403 - Rußheimer Altrhein
6716-404 - Heiligensteiner Weiher
6812-401 - Pfälzerwald
6815-401 - Neupotzer Altrhein
6816-402 - Hördter Rheinaue inklusive Kahnbusch und Oberscherpfer Wald
6816-404 - Sondernheimer Tongruben
6914-401 - Bienwald und Viehstrichwiesen
6915-402 - Wörther Altrhein und Wörther Rheinhafen
7015-405 - Neuburger Altrheine


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bauer, H.-G., Berthold, P., Boye, P., Knief, W., Südbeck, P. & K. Witt (2002):
Rote Liste der Brutvögel Deutschlands (3. überarb. Fassung, 8.5.2002). – Berichte zum Vogelschutz 39: 13-60, Nürnberg. 

Bay. Landesamt für Umweltschutz
: Erhaltungsziele für die Arten der VS-RL: Wasserralle – Rallus aquaticus.

Beaman, M. & S. Madge (1998):
Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Bezzel, E. (1985):
Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wies­baden.

Bezzel, E. (1995):
BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon
(im Druck): Rote Liste der Vögel in Rheinland-Pfalz. 

Flade, M.
(1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

Hölzinger, J. & M. Boschert
(2001): Die Vögel Baden-Württembergs, Nicht-Singvögel 2. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz eine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau. 

Kunz, A. & L. Simon (1987):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau. 

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002):
Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.