Natura2000 VSG Artensteckbrief: Schwimmvögel



Steckbrief zur Art der Vogelschutz-Richtlinie

Schwimmvögel (Anatidae (u. a.))


Schwimmvögel

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
x
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Brutvögel,Durchzügler, Wintergäste


Kennzeichen:

Unter der Sammelbezeichnung „Schwimmvögel“ werden See- (4 Arten) und Lappentaucher (5), Kormoran, Gänse (10), Schwäne (3), Schwimm- (7) und Tauchenten (10), Säger (3) sowie Bläss- und Teichhuhn, insgesamt also in Mitteleuropa 45 regelmäßig auftretende Arten zusammengefasst. Die Merkmale variieren entsprechend, doch ist allen Arten eine an das Wasser angepasste Merkmalskombination eigen (meist Schwimmhäute zwischen den Zehen oder lappenartige Erweiterungen der Zehen, oft Tauchvermögen etc.).


Lebensraum:

Eng an das Leben im und am Wasser gebunden. Bruten meist versteckt auf festem Boden (Enten, Gänse) oder in höherer Vegetation der Verlandungszonen (Rallen), teils Schwimmnester (Taucher) oder Baumbrüter in Höhlen (Säger, Schellente) bzw. Freibrüter in Kolonien (Kormoran).

Außerhalb der Brutzeit ebenfalls stark an Wasser gebunden, wobei Gänse, Schwäne und Schwimmenten regelmäßig auch Nahrung an Land und z. T. weitab vom Wasser suchen. Taucher, Kormoran, Tauchenten und Säger hingegen sind ausschließlich im oder direkt am Wasser zu finden.


Biologie und Ökologie:

Meist Teil- oder Kurzstreckenzieher, aber auch Langstreckenzieher (z. B. Knäkente Anas querquedula) oder Standvogel. Die Männchen von Schwimm- und Tauchenten vollziehen oft einen ausgeprägten Mauserzug in traditionelle Gebiete (Wattenmeer, Bodensee etc.). Eizahl variiert von 2 (Seetaucher) bis > 10 (Enten, Rallen), Paarungssystem von dauerhafter Monogamie (Schwäne, Gänse) bis sukzessiver Polygamie (einige Schwimmenten). Eine Jahresbrut mit Ersatzgelege bei Verlust.

Nahrung oft Fische (Kormoran, Taucher, Säger), aber meist omnivor mit pflanzlichem Schwerpunkt (Schwäne, Gänse, Enten) oder Mollusken (Tauchenten).


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Oftmals Brutvögel in nördlichen Bereichen mit Winterquartier in Mittel-, West- und Südeuropa. Während des Zuges auch in großen Ansammlungen im mitteleuropäischen Binnenland, wo auch traditionelle und überregional bedeutende Überwinterungsgebiete bekannt sind, Brutgebiete aber nur noch von wenigen Arten vorkommen (Stock-, Reiher-, Tafel-, Krick-, Löffel- und Knäkente, Höckerschwan, Graugans, Hauben- und Zwergtaucher, Teich- und Blässhuhn). In Rheinland-Pfalz zum einen auf den großen Gewässern der Mittelgebirge (Krombachtalsperre, Westerwälder Seenplatte, Laacher See, Ulmener Jungferweiher) und zum anderen auf den Gewässern in den großen Auen, besonders der Rheinaue mit Altwässern, Inselrhein und Abbaugewässern.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5314-303 - NSG Krombachtalsperre
5412-401 - Westerwälder Seenplatte
5509-401 - Laacher See
5511-301 - NSG Urmitzer Werth
5511-401 - Engerser Feld
5707-401 - Jungferweiher
5807-401 - NSG Sangweiher und Erweiterung
6013-401 - Rheinaue Bingen-Ingelheim
6013-403 - NSG Hinter der Mortkaute
6014-402 - Selztal zwischen Hahnheim und Ingelheim
6015-301 - NSG Laubenheimer-Bodenheimer Ried
6016-302 - NSG Kisselwörth und Sändchen
6216-401 - Eich-Gimbsheimer Altrhein
6315-401 - Klärteiche Offstein
6416-401 - Bobenheimer und Roxheimer Altrhein mit Silbersee
6516-401 - Neuhofener Altrhein mit Prinz-Karl-Wörth
6616-401 - Otterstadter Altrhein und Angelhofer Altrhein inklusive Binsfeld
6716-401 - NSG Mechtersheimer Tongruben
6716-402 - Berghausener und Lingenfelder Altrhein mit Insel Flotzgrün
6716-403 - Rußheimer Altrhein
6716-404 - Heiligensteiner Weiher
6816-403 - Karlskopf und Leimersheimer Altrhein
6816-404 - Sondernheimer Tongruben
6915-402 - Wörther Altrhein und Wörther Rheinhafen


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Beaman, M. & S. Madge (1998):
Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Bezzel, E. (1985):
Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995):
BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bosselmann, J.
(2003): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Seetaucher bis Enten. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft VI. – Mayen.

Bosselmann, J.
(2004): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Tauchenten bis Trappen. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft VII. – Mayen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon
(1992): Rote Liste der in Rheinland-Pfalz gefährdeten Brutvogelarten (Stand 31.06.1992). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6: 1065-1073.

Dietzen, C. & V. Schmidt
(2002): Ornithologischer Sammelbericht 2001 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 27.

Dietzen, C. & V. Schmidt
(2003): Zum Auftreten der „seltenen“ Tauchenten in Rheinland-Pfalz 1989/90 bis 2002/03. Mit Anmerkungen zur Bedeutung rheinnaher Rastplätze. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30: 229-254.

Dietzen, E., Folz, H.-G. & E. Henß (2004):
Ornithologischer Sammelbericht 2003 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32.

Dietzen, E., Folz, H.-G., Henß, E., Eislöffel, F., Jönck, F., Hof, M. & C. Hof
(2003): Ornithologischer Sammelbericht 2002 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30.

Hagemeijer, W. J. M. &  M. J. Blair
(1997): The EBBC-Atlas of European breeding Birds – Their Distribution and Abundance. Poyser, London.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002):
Die Vögel in Rheinland-Pfalzeine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau. 

Kunz, A. & L. Simon (1987):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau. 

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland
(2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M. 

Svensson, L., Grant, P., Mullarney, K. & D. Zetterström
(1999): Der neue Kosmos-Vogelführer. – Stuttgart.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.