Natura2000 VSG Artensteckbrief: Schwarzmilan



Steckbrief zur Art A073 der Vogelschutz-Richtlinie

Schwarzmilan (Milvus migrans)


Schwarzmilan (Milvus migrans)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
X - - 5.000 – 7.500 Brutpaare
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; verlässt das Brutgebiet im Winterhalbjahr; Durchzügler ca. 100 Brutpaare stabil bis leicht zunehmend; Ausbreitungstendenz in den Mittelgebirgen


Kennzeichen:

Länge 55 – 60 cm, Spannweite 135 – 170 cm. Mittelgroßer Greifvogel mit insgesamt dunklem Gefieder, langen und breiten Flügeln und langem Schwanz; deutlich größer und langflügeliger als Mäusebussard. Häufig an Aas oder Abfällen zu beobachten. Am ehesten mit Rotmilan zu verwechseln. Im Vergleich mit anderen ähnlichen Greifvögeln ist der leicht gegabelte Schwanz das beste Unterscheidungsmerkmal. Beim Segelflug erscheint der gespreizte Schwanz jedoch nur wenig eingebuchtet oder sogar rechteckig. Flügelunterseite sehr dunkel, das helle Feld ist auf den Handflügel beschränkt. Typischer Flug (ähnlich Rotmilan): Ruderflug mit sehr weichen Flügelschlägen, die Flügel werden beim Abwärtsschlag etwas nach vorne geschoben. Im Geradeausflug hebt und senkt sich der Körper im Rhythmus der Flügelschläge wie bei einer Seeschwalbe. Segelt und gleitet mit flach gehaltenen oder leicht gebogenen Flügeln, wobei der Handflügel etwas nach hinten abgewinkelt wird. Verdreht im Flug oft den Schwanz und bewegt die Flügel unabhängig voneinander. Schwarzmilane sind oft gesellig und bilden mitunter große Nahrungs- und Schlafgemeinschaften, z. B. an Mülldeponien und Gewässern, insbesondere an den Rheininseln. Gewöhnlich schweigsam, manchmal sind ein weiches, pfeifendes „pi-ü“ (besonders bei der Balz) und (bei Gefahr) ein scharfes „gri-ä“ zu hören.


Lebensraum:

Generell werden für die Besiedelung gewässerreiche Landschaften der Tieflagen (Flussauen, Seen) gegenüber Tallagen der Mittelgebirge vorgezogen und dicht bewaldete Bereiche mit nur wenigen Gewässern und geringem Offenlandanteil gemieden. Der Schwarzmilan brütet auf Bäumen größerer Feldgehölze und hoher, lückiger Altholzbestände in ebenem und hügeligem Gelände, oft in Gewässernähe und daher häufig in Eichenmischwäldern beziehungsweise Hart- und Weichholzauen. Die Horstbäume befinden sich in geringer Entfernung zum Waldrand. Nicht selten brütet der Schwarzmilan in oder in der Nähe von Graureiher- und Kormorankolonien, da er als Schmarotzer von der Nahrung der Koloniebrüter profitiert.


Biologie und Ökologie:

Der Schwarzmilan ist eine der geselligsten Greifvogelarten und bildet oft große Nahrungs- und Schlafgemeinschaften. Größere Konzentrationen bilden sich zum Beispiel an Mülldeponien, Abwasserteichen oder bei größerem Fischsterben, aber auch bei schwärmenden Ameisen. 

In Mitteleuropa Langstreckenzieher mit Zug über die Meerengen in Spanien (Gibraltar), Italien und der Türkei. Afrikanische Winterquartiere südlich der Sahara, aber auch im Südosten des Mittelmeergebietes überwinternd. Der Heimzug vollzieht sich Mitte März, die Ankunft an den Brutplätzen ist Ende März bis Anfang April. Der Wegzug beginnt im Juli, erreicht seinen Höhepunkt im August und ist in der letzten Septemberwoche bereits abgeschlossen. Legebeginn ab Mitte April. Flüggewerden der Jungvögel bis Ende Juni/Anfang Juli. Gelege 2 – 3 Eier; durchschnittliche Fortpflanzungsrate 1,3 Juv./Paar. Die Nahrung besteht oft aus kranken oder toten Fischen, Aas sowie aktiv erbeuteten Kleinsäugern und Kleinvögeln, aber auch Amphibien, Reptilien, Regenwürmern und Insekten; jagt anderen Arten mitunter Nahrung ab (Kleptoparasitismus). 

Fluchtdistanz: 100 – 300 m, besonders empfindlich im Nestbereich während der Revier­be­setz­ungs­pha­se im Frühjahr. Nestrevier sehr klein, Nahrungsrevier mehrere hundert Hektar (bis > 10 km²).


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Gemäßigte, subtropische und tropische Regionen Eurasiens ohne Nordwesteuropa, Afrika ohne Sahara, in Teilen Südostasiens und Neuguineas und Australiens. Schwerpunkte in Europa sind Russland, Frankreich und Spanien.

In Deutschland im Osten häufiger, in Rheinland-Pfalz überall lückig verbreitet, Konzentrationen befinden sich in den großen Flusstälern, z.B. an der Mosel, am Mittelrhein und insbesondere entlang des Oberrheins.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5312-401 - Westerwald
5409-401 - Ahrmündung
5511-301 - NSG Urmitzer Werth
5511-401 - Engerser Feld
5611-401 - Lahnhänge
5711-401 - Mittelrheintal
5809-401 - Mittel- und Untermosel
5908-401 - Wälder zwischen Wittlich und Cochem
6013-401 - Rheinaue Bingen-Ingelheim
6014-403 - Ober-Hilbersheimer Plateau
6015-301 - NSG Laubenheimer-Bodenheimer Ried
6016-302 - NSG Kisselwörth und Sändchen
6210-401 - Nahetal
6216-401 - Eich-Gimbsheimer Altrhein
6416-401 - Bobenheimer und Roxheimer Altrhein mit Silbersee
6516-401 - Neuhofener Altrhein mit Prinz-Karl-Wörth
6616-401 - Otterstadter Altrhein und Angelhofer Altrhein inklusive Binsfeld
6716-402 - Berghausener und Lingenfelder Altrhein mit Insel Flotzgrün
6815-401 - Neupotzer Altrhein
6816-402 - Hördter Rheinaue inklusive Kahnbusch und Oberscherpfer Wald
6816-403 - Karlskopf und Leimersheimer Altrhein
6914-401 - Bienwald und Viehstrichwiesen
6915-402 - Wörther Altrhein und Wörther Rheinhafen
6915-403 - Goldgrund und Daxlander Au


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bauer, H.-G., Berthold, P., Boye, P., Knief, W., Südbeck, P. & K. Witt (2002):
Rote Liste der Brutvögel Deutschlands (3. überarb. Fassung, 8.5.2002). – Berichte zum Vogelschutz 39: 13-60, Nürnberg. 

Bay. Landesamt für Umweltschutz
: Erhaltungsziele für die Arten der VS-RL: Schwarzmilan – Milvus migrans.

Beaman, M. & S. Madge (1998):
Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Bezzel, E. (1985):
Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995):
BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bosselmann, J.
(2004): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Tauchenten bis Trappen. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft VII. – Mayen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon
(1992): Rote Liste der in Rheinland-Pfalz gefährdeten Brutvogelarten (Stand 31.06.1992). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6: 1065-1073.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon
(im Druck): Rote Liste der Vögel in Rheinland-Pfalz. 

Dietzen, C. & V. Schmidt
(2002): Ornithologischer Sammelbericht 2001 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 27.

Dietzen, E., Folz, H.-G. & E. Henß (2004):
Ornithologischer Sammelbericht 2003 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32.

Dietzen, E., Folz, H.-G., Henß, E., Eislöffel, F., Jönck, F., Hof, M. & C. Hof
(2003): Ornithologischer Sammelbericht 2002 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30.

Flade, M.
(1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

Forsman, D.
(1999): The Raptors of Europe and the Middle East. – London.

Gensbol, B.
(1986/1997): Greifvögel. – BLV, München.

Glutz v. Blotzheim, U. N., Bauer, K. M. & E. Bezzel
(1971): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd. 4 (Falconiformes). – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Kostrzewa, A. & G. Speer
(1995): Greifvögel in Deutschland. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002):
Die Vögel in Rheinland-Pfalzeine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau. 

Kunz, A. & L. Simon (1987):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau. 

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, G. (1993): Atlas der Verbreitung und Häufigkeit der Brutvögel Deutschlands – Kartierung um 1985. – Schriftenreihe des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten Nr. 12. – Rheinischer Landwirtschaftsverlag, Bonn.

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland
(2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M. 

Svensson, L., Grant, P., Mullarney, K. & D. Zetterström
(1999): Der neue Kosmos-Vogelführer. – Stuttgart.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.