Natura2000 VSG Artensteckbrief: Schilfrohrsänger



Steckbrief zur Art A295 der Vogelschutz-Richtlinie

Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus)


Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
- X V 15.000 – 17.000 Brutpaare
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; verlässt das Brutgebiet im Winterhalbjahr; Durchzügler < 10 Brutpaare abnehmend


Kennzeichen:

Länge: 11,5 – 13 cm. Einer der am weitesten verbreiteten Rohrsänger unserer Region; brütet auch weitab vom Wasser. Auffallendstes Merkmal ist der lange weißliche Überaugenstreif, der sich von den dunklen Scheitelseiten, dem dunklen Augenstreif und der mattbraunen, schwach gestreiften Oberseite abhebt. Unterseite weißlich, auf Brustseiten und Flanken warm isabellfarben. Die Beine sind unscheinbar gefärbt und variieren von gräulichbraun bis rosagrau. Der ungestrichelte Bürzel (im Flug sichtbar) ist im Kontrast zum mehr graubraunen Mantel und dunkleren Schwanz wärmer braun, fast rostbraun. Altvögel sind deutlich schlichter gefärbt als Jungvögel, im abgetragenen Frühjahrskleid wirkt der Scheitel düster, dieser ist im frischen Gefieder mehr braun, stärker gestrichelt und mit dunkleren Seiten. 

Jungvögel insgesamt viel kräftiger und wärmer isabellfarben, mit deutlich hellem Scheitelmittenstreif und schwacher Brustsprenkelung. Sucht lebhaft im unteren oder mittleren Bereich der Ufervegetation nach Nahrung und klettert auf erhöhte Singwarten, um seinen kraftvollen, lauten Gesang vorzutragen; startet oft singend zu einem kurzen flatternden Singflug und taucht danach gleich wieder in die Deckung ein. Sonst versteckt er sich sorgfältig in der Vegetation, schlüpft "verstohlen" durch die Halme und klettert nur nach oben, um kurz nach einem Eindringling zu spähen. Aufgescheucht fliegt er niedrig davon, bevor er gleich wieder in die Deckung eintaucht.Verwechslung am ehesten mit Mariskensänger A. melanopogon und Seggenrohrsänger A. paludicola, beide aber viel seltener und in Deutschland mit Ausnahme des Odertals (Seggenrohrsänger) fehlend. Ruft meist scheltend "tjeck", was bei Erregung zu "tjeck-tjeck-tjeck-tattattattjecktjeck" gesteigert werden kann, sowie rau, knarrend "tschirr" oder "trrr". Gesang vielseitig und kraftvoll, ein Potpourri schneller, erregter, rauer Schnarrtöne und wohltönender Phrasen, darunter gemischt eilige Spottmotive, knirschende und schief klingende Laute; wird sowohl von einer Singwarte als auch im Singflug vorgetragen. Viel schneller und abwechslungsreicher als der behäbige Gesang des Teichrohrsängers. Singt tagsüber und nachts.


Lebensraum:

Bewohnt verschiedene Feuchtlebensräume von trockeneren Bereichen in Seggenriedern über Schilfbestände, feuchte Hochstaudenfluren bis zum verwachsenen Uferdickicht an Seen, Flüssen und Teichen. Auf dem Zug bevorzugt in Röhricht, kann aber in allen niedrigen, buschigen Vegetations­typen erscheinen.


Biologie und Ökologie:

Langstreckenzieher mit Winterquartier im tropischen Westafrika. Der Wegzug setzt gleich nach der Brutsaison ein, ab Ende Juli mit Höhepunkt im August und September, Nachzügler im Oktober. Die ersten Schilfrohrsänger erscheinen meist ab Mitte April in den Brutgebieten. Die Revierbesetzung der Männchen erfolgt gleich nach der Ankunft. Die Gesangsaktivität erstreckt sich in wechselnder Intensität über die gesamte Brutzeit von Anfang April bis in den Juli und August. Das Nest steht gut gedeckt in unterschiedlich hoher Vegetation auf dem Boden, meist in Seggenbulten oder in der Knickschicht des Schilfröhrichts, gedeckt von lockerem Schilfbestand. Es kann selten auch in Büsche gebaut sein. Der Legebeginn liegt frühestens Ende April, meist aber im Mai bis Anfang Juni, die Hauptlegeperiode ist Mitte Mai. Das Vollgelege umfasst 4 – 6, im Mittel 5 Eier. Das Gelege wird 12 – 13 (12 – 16) Tage nur vom Weibchen bebrütet, die Nestlingszeit beträgt zwischen 10 und 16, meist 11 oder 12 Tage. Bei Störungen können die Jungen bereits im Alter von 7 – 9 Tagen das Nest verlassen. Normalerweise findet eine Jahresbrut statt. Zweitbruten kommen zwar offenbar regelmäßig vor, werden aber selten nachgewiesen. Nahrung: Insekten und deren Larven, Spinnen und kleine Schnecken, Zusammensetzung weitgehend vom Angebot abhängig. Die geringe Fluchtdistanz liegt bei 10 bis 20 m, der Vogel versteckt sich aber geschickt vor Blicken und kann sich bis auf wenige Meter nähern.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Brutvogel in der West- und Zentralpaläarktis von der borealen bis zur Mediterran- und Steppenzone. In Europa ist das Areal allerdings mit vielen Verbreitungslücken durchsetzt, in Mitteleuropa ebenso lückig von den Ebenen bis auf 500 m NN. Seit den 1960er Jahren sehr starker Rückgang auf Bruchteile des ursprünglichen Bestandes. In Deutschland nur noch im Norden und Osten sowie Südosten (Bayern) größere Vorkommen und teilweise flächige Besiedlung. In Südwestdeutschland abgesehen von wenigen Paaren im Bereich des Oberrheins fast vollständig ausgestorben. In Rheinland-Pfalz ausschließlich auf die Rheinebene konzentriert.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

6014-402 - Selztal zwischen Hahnheim und Ingelheim
6015-301 - NSG Laubenheimer-Bodenheimer Ried
6116-402 - Schilfgebiete zwischen Gimbsheim und Oppenheim inklusive Fischsee
6216-401 - Eich-Gimbsheimer Altrhein
6416-401 - Bobenheimer und Roxheimer Altrhein mit Silbersee
6516-401 - Neuhofener Altrhein mit Prinz-Karl-Wörth
6716-401 - NSG Mechtersheimer Tongruben
6716-402 - Berghausener und Lingenfelder Altrhein mit Insel Flotzgrün
6815-401 - Neupotzer Altrhein
6816-402 - Hördter Rheinaue inklusive Kahnbusch und Oberscherpfer Wald
6816-404 - Sondernheimer Tongruben
6915-402 - Wörther Altrhein und Wörther Rheinhafen
7015-405 - Neuburger Altrheine


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Beaman, M. & S. Madge (1998):
Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Bezzel, E. (1993):
Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Passeres. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995):
BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bosselmann, J.
(1998): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Singvögel. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft IV. – Mayen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon
(1992): Rote Liste der in Rheinland-Pfalz gefährdeten Brutvogelarten (Stand 31.06.1992). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6: 1065-1073.

Dietzen, C. & V. Schmidt
(2002): Ornithologischer Sammelbericht 2001 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 27.

Dietzen, E., Folz, H.-G. & E. Henß (2004):
Ornithologischer Sammelbericht 2003 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32.

Dietzen, E., Folz, H.-G., Henß, E., Eislöffel, F., Jönck, F., Hof, M. & C. Hof
(2003): Ornithologischer Sammelbericht 2002 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30.

Flade, M.
(1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

Hagemeijer, W. J. M. &  M. J. Blair
(1997): The EBBC-Atlas of European breeding Birds Their Distribution and Abundance. Poyser, London.

Hölzinger, J.
(1999): Die Vögel Baden-Württembergs Singvögel 1. Ulmer Verlag, Stuttgart.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002):
Die Vögel in Rheinland-Pfalzeine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau. 

Kunz, A. & L. Simon (1987):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau. 

Rheinwald
, G. (1993): Atlas der Verbreitung und Häufigkeit der Brutvögel Deutschlands - Kartierung um 1985. Schriftenreihe des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten Nr. 12. Rheinischer Landwirtschaftsverlag, Bonn.

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland
(2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M. 

Svensson, L., Grant, P., Mullarney, K. & D. Zetterström (1999): Der neue Kosmos-Vogelführer. – Stuttgart.



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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.