Natura2000 VSG Artensteckbrief: Rohrschwirl



Steckbrief zur Art A292 der Vogelschutz-Richtlinie

Rohrschwirl (Locustella luscinioides)


Rohrschwirl (Locustella luscinioides)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Rote Liste RLP Erhaltungszustand
- x * 1 s ungünstig/schlecht
Status RLP Bestand D Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; verlässt das Brutgebiet im Winterhalbjahr; Durchzügler 5.500 – 9.500 Brutpaare 5 – 15 Brutpaare abnehmend


Kennzeichen:


Länge 14 cm. Ein ungestreifter Schwirl des Röhrichts. Am ähnlichsten dem Schlagschwirl; besonders problematisch sind Durchzügler der östlichen Rohrschwirl-Unterart. Gesamtfärbung und Habitatansprüche erinnern an den Teichrohrsänger Acrocephalus scirpaceus; Schnabel im Verhältnis länger als bei anderen Schwirlen, die recht flache oder spitze Scheitelform erinnert ebenfalls an Teichrohrsänger, jedoch sind Gesang, Flügel- und Schwanzform sowie Verhalten gattungstypisch. Deutlich größer und gedrungener als Teichrohrsänger, besonders im hinteren Bereich, und mit längeren, breiteren und gerundeten oder fast gerade endenden Unterschwanzdecken (oft mit schwacher heller Schuppenzeichnung), ferner mit breiterem und mehr gestuftem Schwanz, breiterer dreieckiger Flügelspitze, eher gerundetem (statt geradem) Flügelrand, mit kräftigeren Beinen und Füßen, die zudem heller (grau- bis mattrosa) gefärbt sind, weiterhin mit meist deutlicherem hellem Überaugenstreif hinter dem Auge, jedoch nicht davor, mit ziemlich auffälligen Halbmondflecken über und unter dem Auge und mit dunkleren, mehr olivbraunen Flanken und Unterschwanzdecken (sowie mit olivbraunem Anflug auf der Brust). Im frischen Gefieder gesamte Unterseite bräunlich, abgesehen von der weißlichen Kehle, aber im abgetragenen Gefieder sind Kehle, Brust und Bauch eher weiß. Kennzeichnende Bewegungsweise: Der Rohrschwirl läuft (wenn er nicht gerade singt) bodennah oder auf dem Boden durch das Schilf, der Schwanz wird dabei gestelzt; er kriecht eher „verstohlen“ auf den kräftigen Füßen am Schilfgrund (statt in mittlerer Halmhöhe zu klettern und zu hüpfen). Im Gegensatz zu Rohrsängern stelzen Rohrschwirle häufig den Schwanz und „purzeln“ nach dem Gesangsvortrag unbeholfen zum Schilfgrund hinab. Man beachte, dass der Feldschwirl häufig ungestreift erscheint, außer bei guter Sicht, und ebenfalls im Schilf singt. Heimliches Verhalten und Rufe erinnern an Seidensänger. Auf dem Zug oft auf dem Boden in buschiger Deckung, weitab vom Schilf (seIten sogar am Rand von vegetationslosen Flächen), läuft dort mit gestelztem Schwanz und niedrig gehaltenem Kopf; Durchzügler suchen gelegentlich in niedrigen Bäumen nach Nahrung, wobei sie rasch die Zweige entlanglaufen beziehungsweise sich – ganz anders als Rohrsänger – nach unten fallen lassen; dabei halten sie sich stets im Laub verborgen. Ruft berstend „tschick“ oder „tschink“, was an den Einzelruf einer zeternden Amsel erinnert (auch ähnlich dem Ruf des Seidensängers); bei Gefahr werden die Rufe zu einem Gezeter gereiht. Gesang kennzeichnend. Ein lang anhaltendes, tiefes, surrendes Schwirren, das minutenlang anhält und im Vergleich zum Feldschwirl deutlich tiefer und härter klingt; zudem werden die Silben viel rascher aneinander gereiht. Der Gesang setzt mit einer Folge klar getrennter, scharfer „tschick“-Laute ein, die schneller werden und ins Schwirren übergehen (der Feldschwirl setzt mit kurzen Schwirrstößen ein). Singt in aufrechter Haltung nahe der Spitze eines Schilfhalms, besonders in der Dämmerung, aber auch lang anhaltend tagsüber und nachts.


Lebensraum:

Zur Brutzeit größere Schilfflächen (manchmal mit einzelnen Büschen) an Seen und Flüssen; gelegentlich auch Schilfflächen in Sumpfgebieten. Durchzügler treten in einer Vielzahl buschreicher Lebensräume auf, auch in Parks und Gärten, wenn keine Ufer- oder Sumpfgebiete in der Nähe sind. 


Biologie und Ökologie:

Typischer Brutvogel ausgedehnter Schilfröhrichte. Weitstreckenzieher, der südlich der Sahara überwintert. Die ersten Rohrschwirle singen meist ab Mitte April, wenn sie auch ihre Reviere beziehen. Die Hauptgesangsaktivität erstreckt sich von Ende April bis Anfang/Mitte Juni und erneut im Juli und August. Das Nest steht gut gedeckt auf trockener Unterlage (Knickschilf, Seggenbulten) über seichtem Wasser. Legebeginn: Die heimischen Brutvögel beginnen mit der Eiablage der Erstbrut wohl frühestens gegen Ende April/Anfang Mai. Das Vollgelege umfasst 4 - 6, meist 5 Eier. Das Gelege wird 12 - 14 Tage bebrütet, die Nestlingszeit beträgt zwischen 11 und 15, meist 12 oder 13 Tagen. Die auffallend lange Brutperiode endet mit der zweiten Brut, die sich bis in den September hineinziehen kann. Die Nahrung besteht aus Insekten und deren Larven, Spinnen und kleinen Schnecken, Zusammensetzung weitgehend vom Angebot abhängig. Die Fluchtdistanz liegt bei < 10 bis 20 m.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Der Rohrschwirl ist eine eher östlich verbreitete Art, die ein europäisch-turkestanisches Faunenelement darstellt, mit Vorkommen in Europa, Westsibirien und Mittelasien. 3 Unterarten. In Deutschland seltener Brutvogel, der gebietsweise fehlt. In Rheinland-Pfalz auf die großen Schilfgebiete im Rheintal beschränkt. Überwintert südlich der Sahara.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5511-401 - Engerser Feld
6216-401 - Eich-Gimbsheimer Altrhein
6416-401 - Bobenheimer und Roxheimer Altrhein mit Silbersee
6716-401 - NSG Mechtersheimer Tongruben
6815-401 - Neupotzer Altrhein
6816-404 - Sondernheimer Tongruben
6915-402 - Wörther Altrhein und Wörther Rheinhafen
7015-405 - Neuburger Altrheine


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Beaman, M. & S. Madge (1998): Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Bezzel, E. (1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Passeres – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995): BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München. 

Bosselmann, J. (1998): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Singvögel. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft IV. – Mayen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon (1992): Rote Liste der in Rheinland-Pfalz gefährdeten Brutvogelarten (Stand 31.06.1992). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6: 1065-1073.

Dietzen, C. & E. Henß (2004): Brutzeitbeobachtungen am Eich-Gimbsheimer Altrhein, Landkreis Alzey-Worms, Rheinland-Pfalz, im Frühjahr und Sommer 2003. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 10: 397-414. 

Dietzen, C. & V. Schmidt (2002): Ornithologischer Sammelbericht 2001 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 27.

Dietzen, E., Folz, H.-G. & E. Henß (2004): Ornithologischer Sammelbericht 2003 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32.

Dietzen, E., Folz, H.-G., Henß, E., Eislöffel, F., Jönck, F., Hof, M. & C. Hof (2003): Ornithologischer Sammelbericht 2002 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30.

Flade, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

Hagemeijer, W. J. M. &  M. J. Blair (1997): The EBBC-Atlas of European breeding Birds – Their Distribution and Abundance. – Poyser, London. 

Hölzinger, J. (1999): Die Vögel Baden-Württembergs - Singvögel 1. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Kunz, A. & C. Dietzen (2002): Die Vögel in Rheinland-Pfalzeine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau.

Kunz, A. & L. Simon (1987): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau. 

Rheinwald, G. (1993): Atlas der Verbreitung und Häufigkeit der Brutvögel Deutschlands - Kartierung um 1985. – Schriftenreihe des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten Nr. 12. – Rheinischer Landwirtschaftsverlag, Bonn. 

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M. 

Svensson, L., Grant, P., Mullarney, K. & D. Zetterström(1999): Der neue Kosmos-Vogelführer. – Stuttgart.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.