Natura2000 VSG Artensteckbrief: Mornellregenpfeifer



Steckbrief zur Art A139 der Vogelschutz-Richtlinie

Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus)


Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Rote Liste RLP Erhaltungszustand
x x * * ? unbekannt
Status RLP Bestand D Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Durchzügler keine Brutpaare jährlich 20 – 100 Exemplare gleichbleibend


Kennzeichen:


Länge: 20,5 – 24 cm. Ein mittelgroßer Regenpfeifer (kleiner als der Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria) mit ziemlich kurzen Flügeln, gedrungenem Körperbau und recht breitem, rundem Schwanz. Oft sehr vertraut und daher nur schwer nachweisbar. Im Prachtkleid sind Weibchen gewöhnlich kräftiger gefärbt als Männchen – sie überlassen den Männchen die Brutpflege einschließlich der Aufzucht der Jungen. Vögel im Prachtkleid sind durch die leuchtend weißen Überaugenstreifen, die unterseits auffälligen braunen und kastanienbraunen Bereiche und das schmale weiße Brustband sehr typisch. Im Schlicht- und Jugendkleid ebenfalls leicht erkennbar durch dieselben Grundmerkmale, doch unterseits mehr gelblich isabellfarben, Oberseite mit dunklen Federzentren. Nicht sehr ruffreudig. Typisch ist ein weiches, trillerndes, traurig klingendes „piürr“.


Lebensraum:

Zur Brutzeit flache oder leicht abfallende, steinige Tundra und kahle Bergkuppen mit sehr kurzem Bewuchs. Außerhalb der Brutzeit offene Halbwüsten sowie trockene und steinige Steppen, während des Zuges meist auf vegetationslosen Äckern in weithin offenen, entweder flach welligen oder zumeist nach Osten exponierten Hügellandschaften.


Biologie und Ökologie:

Langstreckenzieher mit Winterquartieren im Trockengürtel Nordafrikas und Vorderasiens. Angesichts der großen Brutverbreitung ist das Winterareal von Marokko bis Iran sehr klein. Europäische Brutvögel überwintern in Nordafrika. Rastet während des Wegzuges von Mitte August bis Mitte September regelmäßig an traditionellen Rastplätzen in Rheinland-Pfalz, die mit denen in Nordrhein-Westfalen zu den wichtigsten in Deutschland zählen. Auf dem Heimzug hingegen nur sehr selten rastend festgestellt, auch dann zumeist auf vegetationslosen Äckern.

Nest meist in niedriger Vegetation, oft etwas erhöht. Gelege mit (2) 3 (4) kreiselförmigen Eiern. Der Legebeginn ist im Norden nicht vor Juni. Es findet eine Jahresbrut statt, ein unbekannter Anteil der Weibchen versorgt jedoch 2 bis 3 Männchen mit einem Gelege. Brutdauer 24 bis 28 Tage. Meist brütet das Männchen allein, doch beteiligt sich gelegentlich auch das Weibchen. Die Küken verlassen als Nestflüchter nach 10 bis 30 Stunden das Nest und sind mit 26 bis 30 Tagen flügge. Die Nahrung besteht vorwiegend aus Insekten, im Winterquartier auch kleinen Schnecken. Die Fluchtdistanz beträgt oft nur wenige Meter, weshalb die gut getarnten Vögel nur schwer zu beobachten sind.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Brutvogel im nördlichen Eurasien mit großen Lücken von Schottland und Skandinavien bis zum östlichen Sibirien. Daneben einige kleine, isolierte Verbreitungsinseln in Europa, die teils nur zeitweise besetzt sind (Alpen, Pyrenäen, Riesengebirge, Kaukasus etc.). In Deutschland daher ausschließlich Rastvogel während des Heim- (selten) und Wegzuges (offenbar regelmäßig an traditionellen Rastplätzen, die erst in den letzten Jahren von Vogelkundlern durch intensive Kontrollen bemerkt wurden).
 
In Rheinland-Pfalz wird die Art durch die Anwendung geeigneter Erfassungsmethoden (gezielte Suche in hügeligen Feldlandschaften) inzwischen als zwar immer noch seltener, aber regelmäßiger und alljährlicher Durchzügler und Rastvogel beschrieben. Die großen Rastplätze der Art liegen besonders im Maifeld und im Saargau; kleinere Vorkommen existieren im Hintertaunus, in Rheinhessen und in der Westpfalz, weitere Vorkommen sind wahrscheinlich.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5610-401 - Maifeld Kaan-Lonnig
5709-401 - Maifeld Einig-Naunheim
6014-403 - Ober-Hilbersheimer Plateau
6304-401 - Saargau Bilzingen/Fisch


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden. 

Beaman, M. & S. Madge (1998): Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Bezzel, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995): BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bosselmann, J. (2000): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Watvögel bis Spechte. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft V. – Mayen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon (1992): Rote Liste der in Rheinland-Pfalz gefährdeten Brutvogelarten (Stand 31.06.1992). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6: 1065-1073.

Deutsche Seltenheitenkommission (DSK) (1994-2000): Seltene Vogelarten in der Bundesrepublik Deutschland 1991-1997. – Limicola 8: 153-209, 9: 77-110, 10: 209-257, 11: 153-208, 12: 161-227, 14: 273-340.

Dietzen, C. & V. Schmidt (2002): Ornithologischer Sammelbericht 2001 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 27.

Dietzen, E., Folz, H.-G. & E. Henß (2004): Ornithologischer Sammelbericht 2003 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32.

Dietzen, E., Folz, H.-G., Henß, E., Eislöffel, F., Jönck, F., Hof, M. & C. Hof (2003): Ornithologischer Sammelbericht 2002 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30.

Glutz v. Blotzheim, U. N., Bauer, K. M. & E. Bezzel (1975): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd. 6 (Charadriiformes, 1. Teil). – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Gnor (2001): Vogelschutz und Windenergie in Rheinland-Pfalz. Gutachten zur Ermittlung definierter Lebensraumfunktionen bestimmter Vogelarten (Vogelbrut-, -rast- und -zuggebiete) in zur Errichtung von Windkraftanlagen geeigneten Bereichen von Rheinland-Pfalz. – Erstellt im Auftrag des Landesamtes für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz, 183 Seiten; Materialien Naturschutz und Landschaftspflege 2, Mainz.

Hagemeijer, W. J. M. &  M. J. Blair (1997): The EBBC-Atlas of European breeding Birds – Their Distribution and Abundance. – Poyser, London.

Jürgens, D. (1997): Mornellregenpfeifer Charadrius morinellus. – In: HGON (Hrsg.) (1997): Avifauna von Hessen, 3. Lieferung. – Eigenverlag, Echzell.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – eine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau. 

Kunz, A. & L. Simon (1987): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau.

Lippok, E. (1998): Zum Auftreten des Mornellregenpfeifers (Charadrius morinellus) im Regierungsbezirk Koblenz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 23: 179-181, Landau.

Matthes,  W. (1994): Limikolen im Raum Worms (Rheinland-Pfalz). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 12.

Rheinwald, G. (1993): Atlas der Verbreitung und Häufigkeit der Brutvögel Deutschlands - Kartierung um 1985. – Schriftenreihe des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten Nr. 12. – Rheinischer Landwirtschaftsverlag, Bonn.

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M. 

Svensson, L., Grant, P., Mullarney, K. & D. Zetterström (1999): Der neue Kosmos-Vogelführer. – Stuttgart.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.