Natura2000 VSG Artensteckbrief: Mittelspecht



Steckbrief zur Art A238 der Vogelschutz-Richtlinie

Mittelspecht (Dendrocopos medius)


Mittelspecht (Dendrocopos medius)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
X - - 25.000 – 56.000 Brutpaare
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; Jahresvogel ca. 1.200 – 1.700 Brutpaare lokal abnehmend


Kennzeichen:

Länge 20 22 cm. Mittelgroßer „Buntspecht“ mit großen, weißen Schulterflecken. Kleiner als Buntspecht und meist durch den vollständig roten Scheitel gut zu unterscheiden. Junge Buntspechte ebenfalls mit rotem Scheitel, der jedoch unten schwarz begrenzt ist. Der weiße Schulterfleck ist kleiner, die Steißregion hell rosarot, geht allmählich in den deutlich gestreiften, gelblich-isabellfarbenen Vorderbauch-, Brust- und Flankenbereich über. Das Fehlen einer ausgeprägten schwarzen Kopfzeichnung verleiht dem Mittelspecht aus der Entfernung einen typischen Gesichtsausdruck, man beachte jedoch manche juvenilen Buntspechte mit ebenfalls ziemlich undeutlicher Ausprägung des vorderen Wangenstreifs und/oder unvollständigem, dunklem Streif hinter den Ohrdecken. Schnabel deutlich kürzer und schlanker als bei den drei größeren Buntspechten; wird mehr zur Bearbeitung der Rinde verwendet. Nahrungssuche meist im Kronenbereich alter Bäume, bearbeitet eher die mitteldicken und dünneren Äste als den Stamm und die Hauptäste. Verzehrt regelmäßig Baumsaft. Sitzt oft wie ein Singvogel quer auf einem Ast. Wirkt rastlos, wechselt ständig den Nahrungsbaum. Scheuer und zurückgezogener als Buntspecht, überquert nur selten offene Flächen. Die Geschlechter sind nahezu gleich, Scheitel des Weibchens jedoch oft matter gefärbt mit etwas Gelblichbraun am Hinterrand, ferner mit hell isabellfarbenem Anflug auf dem Weiß von Stirn und Kehle. Jungvögel sehr ähnlich Altvögeln, jedoch am Scheitel häufig noch blasser (ohne Gelblichbraun am Hinterrand), Steiß heller rosa, übrige Unterseite heller und weniger kräftig gestreift. Auffälliger Reviergesang (vor allem Männchen): ein mehrfach wiederholtes, klagend-quäkendes „gäh ...gäh ... gäh“ , ähnlich einer ungeölten Tür oder dem Betteln junger Greifvögel. Kontaktruf kurz, scharf „tük“ oder „kük“, weicher, etwas tiefer und weniger weittragend als beim Buntspecht. Oft ein schnell gereihtes „kik kük-kük-kük“. Trommelt nur selten (klingt etwas kraftlos), mit gleichbleibendem Tempo und nicht sehr weittragend; Dauer 2 3 Sekunden.


Lebensraum:

In Mitteleuropa ist der Mittelspecht bevorzugt in Hartholzauen und (auch staunassen) artenreichen (produktiven) und alten Laubmischwäldern zu finden. Gebietsweise hat die Art eine sehr starke Bindung an Eichen, aber auch an andere überwiegend rauborkige Altstämme. Im Anschluss an größere Altholzbestände ist der Mittelspecht zudem in reich strukturierten, anthropogen beeinflussten Sekundärbiotopen wie Streuobstbeständen und Parks zu finden. Die Bestandsdichte steigt mit Zunahme des Eichenanteils. Der Mittelspecht ist bei seiner Brutbaumwahl flexibel; er bevorzugt allerdings auch hier Eichen. Die Höhlen befinden sich in der Regel im Bereich von Schadstellen sowie in abgestorbenen bzw. morschen Bäumen oder Ästen, wobei die mittlere Höhe ca. 9 Meter beträgt (1,5 20 Meter).


Biologie und Ökologie:

Das Balzquäken kann von März bis Mitte Mai vernommen werden, mit einem eindeutigen Höhepunkt zwischen der dritten März- und der zweiten Aprildekade. Eine allgemeine Rufaktivität (z. B. Flug- und Lockrufe) lässt sich das ganze Jahr über feststellen. Der Höhlenbau beginnt im Zeitraum von Anfang bis Ende April. Der Legebeginn der 5 6 Eier liegt etwa Anfang bis Mitte Mai, und fütternde Altvögel können ab Ende Mai auftreten. Die Jungen scheinen zwischen dem 31.5. und 25.6. auszufliegen. Die Nahrung besteht ganzjährig überwiegend aus versteckten Arthropoden („Stocherspecht“), im Herbst und Winter allerdings erhöhter Anteil an Beeren, Nüssen, Samen, Steinkernen; auch Baumsaft; nutzt nur stehendes Totholz. Der Mittelspecht ist Standvogel und Teilzieher mit vereinzelten Wanderungen fernab der Brutgebiete.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Das Areal der 3 Unterarten des Mittelspechts umfasst Europa von Nordwest-Spanien und Belgien nach Osten bis zum Baltikum und nach Westrussland und entlang des Mittelmeers über Vorderasien bis West-Iran. In West- und Südwest-Europa ist er spärlicher Brutvogel. Der europäische Gesamtbestand entspricht über drei Vierteln des Weltbestandes, in Mitteleuropa ist die Art auf Tiefebenen und wärmere Lagen der Mittelgebirge beschränkt. Verbreitungsschwerpunkte in Deutschland sind das mitteldeutsche Trockengebiet, das Neckarhügelland sowie die Oberrheinebene (im Süden nicht über 500 m, im Norden nur ausnahmsweise über 300 m). 

In Rheinland-Pfalz verbreitet, wobei größere Waldgebiete ohne Eichen gemieden werden. Schwerpunkte finden sich im kollinen Bereich und in den wärmegeprägten Hängen der großen Flüsse und in den Rheinauen.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5312-401 - Westerwald
5507-401 - Ahrgebirge
5611-401 - Lahnhänge
5711-401 - Mittelrheintal
5809-401 - Mittel- und Untermosel
5908-401 - Wälder zwischen Wittlich und Cochem
6013-401 - Rheinaue Bingen-Ingelheim
6016-302 - NSG Kisselwörth und Sändchen
6210-401 - Nahetal
6313-401 - Wälder westlich Kirchheimbolanden
6416-401 - Bobenheimer und Roxheimer Altrhein mit Silbersee
6514-401 - Haardtrand
6516-401 - Neuhofener Altrhein mit Prinz-Karl-Wörth
6616-401 - Otterstadter Altrhein und Angelhofer Altrhein inklusive Binsfeld
6616-402 - Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Geinsheim und Hanhofen
6715-401 - Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen
6716-402 - Berghausener und Lingenfelder Altrhein mit Insel Flotzgrün
6815-401 - Neupotzer Altrhein
6816-402 - Hördter Rheinaue inklusive Kahnbusch und Oberscherpfer Wald
6914-401 - Bienwald und Viehstrichwiesen
6915-403 - Goldgrund und Daxlander Au
7015-405 - Neuburger Altrheine


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bauer, H.-G., Berthold, P., Boye, P., Knief, W., Südbeck, P. & K. Witt (2002): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands (3. überarb. Fassung, 8.5.2002). – Berichte zum Vogelschutz 39: 13-60, Nürnberg.

Bay. Landesamt für Umweltschutz: Erhaltungsziele für die Arten der VS-RL: Mittelspecht – Picoides medius.

Beaman, M. & S. Madge (1998): Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Bezzel, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995): BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Blume, D. (1977): Die Buntspechte. – 3. Aufl., Wittenberg Lutherstadt.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon (im Druck): Rote Liste der Vögel in Rheinland-Pfalz.

Flade, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

Glutz v. Blotzheim, U. N. & K. M. Bauer (1980): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd. 9. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – eine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau.

Kunz, A. & L. Simon (1987): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau.

Randler, C. (2003): Langzeit-Trend beim Mittelspecht Picoides medius im Favoritepark in Ludwigsburg. – Orn. Anz. 42: 41-50.

Schindler, W. (in Vorb.): Verbreitung, Bestand, Habitatwahl und Phänologie des Mittelspechtes im hessischen Mittelgebirgsraum zwischen Hintertaunus, Westerwald und Rothaargebirge.

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/Main.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.