Natura2000 VSG Artensteckbrief: Laro-Limikolen



Steckbrief zur Art der Vogelschutz-Richtlinie

Laro-Limikolen (Laro-Limikolen)


Laro-Limikolen

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
 
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Brutvögel, Durchzügler, Wintergäste


Kennzeichen:

Eine sehr große und vielgestaltige Ordnung mit mehreren Familien, zu der neben der Familie der eigentlichen Watvögel (37 in Deutschland regelmäßig erscheinende Arten) die zwar recht anders aussehenden, aber nah verwandten Familien der Raubmöwen (4 Arten, nur sehr selten im Binnenland), Möwenvögel mit den Unterfamilien der Möwen (13 Spezies) und Seeschwalben (9 Arten) sowie die (im Binnenland fehlenden) Alkenvögel (4 Arten) gezählt werden. Entsprechend unterschiedlich sind die Kennzeichen.


Lebensraum:

Mehrheitlich an Wasser oder zumindest feuchte Lebensräume gebunden. Bruten meist auf festem Untergrund, Nahrungssuche jedoch häufig in Flachwasserbereichen, auf Schlamm- und Schlickflächen (Watvögel), teilweise auch im offenen Wasser bzw. Meer (Möwen, Seeschwalben, Alken) bzw. an Mülldeponien (Möwen) oder auf trockenem, offenem Untergrund (einige Watvögel, Möwen).


Biologie und Ökologie:

Zumindest Teil- oder Kurzstreckenzieher, oft ausgeprägte Langstreckenzieher (einige Watvögel, Seeschwalben). Nest am Boden (oder im Falle der Alken auch an Felsen), häufig in kleinen bis sehr großen Kolonien (Möwen, Seeschwalben, Alken). Meist 4 Eier (Watvögel), aber auch nur 2 – 4 (Möwen) oder lediglich 1 (Alken). Eine Jahresbrut, mit Ausnahme der Alken nach Brutverlust Ersatzgelege.

Nahrung fast ausschließlich animalisch und von Mollusken (Watvögel, Möwen) über Gliedertiere und deren Larven (Watvögel, Möwen) bis zu Fischen (Möwen, Seeschwalben, Alken, Raubmöwen) und kleinen bis mittelgroßen Säugern und Vögeln (Möwen, Raubmöwen). 

Fluchtdistanz variiert von handzahmen Individuen (Möwen an Futterplätzen) bis > 100 m (einige Watvögel).


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Global mit der Tendenz zu Brutplätzen in weit nördlich gelegenen Bereichen (Brutgebiet vieler Watvögel ist das arktische Sibirien) und weiten Wanderungen bis auf die Südhalbkugel, einige Arten sogar bis in die Antarktis. Dabei werden von Möwen, Seeschwalben und Alken auch die Weltmeere genutzt. 

In Mitteleuropa vor allem entlang der Küsten und großen Ströme wichtige Rast-, Überwinterungs- und Mausergebiete. Mit Ausnahme weniger Brutvögel des Binnenlandes (Kiebitz Vanellus vanellus, Flussregenpfeifer Charadrius dubius, Lachmöwe Larus ridibundus etc.) liegt die Bedeutung der Vorkommen in Rheinland-Pfalz in der Existenz von Rast- und Überwinterungsgebieten. Vor allem der Inselrhein zwischen Mainz und Bingen zählt mit bis zu 35.000 gleichzeitig rastenden Möwen zu den wichtigsten Rastplätzen im mitteleuropäischen Binnenland.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5213-401 - Neunkhausener Plateau
5314-303 - NSG Krombachtalsperre
5409-401 - Ahrmündung
5412-401 - Westerwälder Seenplatte
5509-401 - Laacher See
5511-301 - NSG Urmitzer Werth
5511-401 - Engerser Feld
5610-401 - Maifeld Kaan-Lonnig
5707-401 - Jungferweiher
5807-401 - NSG Sangweiher und Erweiterung
5905-401 - Orsfeld (Bitburger Gutland)
6013-401 - Rheinaue Bingen-Ingelheim
6013-403 - NSG Hinter der Mortkaute
6014-403 - Ober-Hilbersheimer Plateau
6016-302 - NSG Kisselwörth und Sändchen
6216-401 - Eich-Gimbsheimer Altrhein
6304-401 - Saargau Bilzingen/Fisch
6315-401 - Klärteiche Offstein
6416-401 - Bobenheimer und Roxheimer Altrhein mit Silbersee
6616-401 - Otterstadter Altrhein und Angelhofer Altrhein inklusive Binsfeld
6616-402 - Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Geinsheim und Hanhofen
6716-401 - NSG Mechtersheimer Tongruben
6716-402 - Berghausener und Lingenfelder Altrhein mit Insel Flotzgrün


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

AG Möwen in NRW (1996): Die Winterbestände von Möwen (Laridae) in Nordrhein-Westfalen – Ergebnisse dreijähriger Synchronzählungen. – Charadrius 32: 149-155.

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bauer, H.-G., Boschert, M. & J. Hölzinger (1995): Die Vögel Baden-Württembergs –  Atlas der Winterverbreitung. –  Ulmer Verlag, Stuttgart.

Beaman, M. & S. Madge (1998): Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Bellebaum, J. (2002): Ein „Problemvogel“ bekommt Probleme: Bestandsentwicklung der Lachmöwe Larus ridibundus in Deutschland 1963 – 1999. – Vogelwelt 123: 189-201.

Bezzel, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995): BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bosselmann, J. (2000): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Watvögel bis Spechte. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft VI. – Mayen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon (1992): Rote Liste der in Rheinland-Pfalz gefährdeten Brutvogelarten (Stand 31.06.1992). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6: 1065-1073.

Dietzen, C. & V. Schmidt (2002): Ornithologischer Sammelbericht 2001 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 27.

Dietzen, C. & V. Schmidt (2003): Auftreten und Bestimmung ausgewählter Limikolenarten in Rheinland-Pfalz. – Fauna  Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30: 215-228.

Dietzen, E., Folz, H.-G. & E. Henß (2004): Ornithologischer Sammelbericht 2003 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32.

Dietzen, E., Folz, H.-G., Henß, E., Eislöffel, F., Jönck, F., Hof, M. & C. Hof (2003): Ornithologischer Sammelbericht 2002 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30.

Folz, H.-G. & W. Heuser (2001): Der rheinhessische Inselrhein als Rastplatz für Raubmöwen, Möwen und Seeschwalben 1965-2000. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 9, Heft 3: 911-950.

Glutz v. Blotzheim, U. N., Bauer, K. M. & E. Bezzel (1975): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd. 6 (Charadriiformes, 1. Teil). – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Glutz v. Blotzheim, U. N., Bauer, K. M. & E. Bezzel (1977): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd. 7 (Charadriiformes, 2. Teil). – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Glutz v. Blotzheim, U. N., Bauer, K. M. & E. Bezzel (1982): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd. 8/1 (Charadriiformes, 3. Teil). – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Hagemeijer, W. J. M. &  (1997): The EBBC-Atlas of European breeding Birds – Their Distribution and Abundance. – Poyser, London.

Henß, E. (2003): Phänologie des Bruchwasserläufers Tringa glareola in Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30: 255-280.

Hölzinger, J. & M. Boschert (2001): Die Vögel Baden-Württembergs, Nicht-Singvögel 2. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – eine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau.

Kunz, A. & L. Simon (1987): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau.

Mädlow, W., Kühn, S. & M. Kühn (2003): Möwenschlafplätze in Brandenburg und Berlin im Winter 2000/2001. – Otis 11: 89-93.

Matthes, W. (1994): Limikolen im Raum Worms (Rheinland-Pfalz). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 12.

Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee (Hrsg.) (1999): Die Vögel des Bodenseegebietes. – Orn. Jahresh. f. Baden-Württemberg 14/15.

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M.

Svensson, L., Grant, P., Mullarney, K. & D. Zetterström (1999): Der neue Kosmos-Vogelführer. – Stuttgart.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.