Natura2000 VSG Artensteckbrief: Goldregenpfeifer



Steckbrief zur Art A140 der Vogelschutz-Richtlinie

Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria)


Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Rote Liste RLP Erhaltungszustand
x - 1 * ? unbekannt
Status RLP Bestand D Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Durchzügler 8 Brutpaare jährlich 100 – 1.000 Exemplare .....


Kennzeichen:


Länge: 25 – 28 cm. Dieser mittelgroße, ziemlich kompakt gebaute Regenpfeifer ist die einzige normalerweise in größeren Trupps auftretende Regenpfeiferart im deutschen Binnenland. Schneller Flug mit gleichmäßigen, kräftigen Flügelschlägen. Am ehesten mit Kiebitzregenpfeifer P. squatarola (oder amerikanischen/asiatischen Ausnahmegästen) zu verwechseln, von diesem jedoch in allen Kleidern durch folgende Merkmale unterschieden: Oberseite auffallend goldgelb gesprenkelt, Körperbau weniger gedrungen, Beine kürzer, Schnabel schlanker, im Flug ohne schwarze Achseln, ohne weißen Bürzel und mit weniger auffallender weißer Flügelbinde. Vögel im Prachtkleid mit weniger Weiß an der Stirn, unterseits mit viel weniger Schwarz. Klassische nördliche Individuen im Prachtkleid mit ausgedehntem Schwarz an Gesicht und Unterseite, während die typischen südlichen Individuen dort viel heller sind. Typisch ist auch die Stimme: ein weiches, traurig pfeifendes „djüh“.


Lebensraum:

Brutvogel in Nordeuropa in nassen Heiden und anmoorigen Grasflächen von den Niederungen bis in höhere Lagen von der Waldtundra bis in die Randzone der arktischen Tundra. Im Süden vor allem in Hochmooren. Wichtig sind Flächen mit geringer Vegetationshöhe zur Nahrungssuche. Diese findet auch auf angrenzenden Weiden, Wiesen und Äckern statt.

Durchzügler und Wintergäste rasten vor allem auf Viehweiden und kurzrasigen Mähwiesen (entlang der Küste bzw. während des Heimzuges in feuchten Überflutungsbereichen des Binnenlandes) sowie auf Ackerflächen mit niedriger Vegetation (hier vor allem im Binnenland).


Biologie und Ökologie:

Kurzstreckenzieher mit Winterquartieren in Nordwesteuropa (Küstengebiete von Niedersachsen bis Frankreich und Spanien), oft ausgeprägte Winterfluchten im Küstenbereich.

Reviergründung der Brutvögel meist gleich nach Ankunft im Brutgebiet, Nest meist frei und offen auf trockenem Untergrund, oft etwas erhöht auf einer Bülte. 3 bis 4 länglich kreiselförmige Eier, Legebeginn von April (im Süden) bis Juni (im Norden). Eine Jahresbrut, bei Verlust Ersatzgelege. Brutdauer 27 bis 30 Tage, Legeabstand 2 bis 7 (!) Tage. Die Jungen werden mit 30 bis 33 Tagen flügge. Die Nahrung setzt sich aus am Boden lebenden Insekten und deren Larven, aber auch besonders Würmern, kleinen Schnecken und Spinnen sowie einem gewissen pflanzlichen Anteil (vor allem Beeren) zusammen.

Fluchtdistanz zur Brutzeit um 50 m, während der Zugzeit deutlich erhöht (> 100 m).


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Brutvogel im Norden Eurasiens von Island über Großbritannien, Skandinavien bis Mittelsibirien bis etwa 60° N als Südgrenze. Kleine Restpopulation in Mooren Niedersachsens.

Als Rastvogel in Mitteleuropa vor allem entlang der Küsten, aber auch im tieferen Binnenland. Hier meist kleinere Trupps und Einzelvögel mit Schwerpunkt entweder im Herbst (z. B. Bayern) oder während des Heimzuges im März (z. B. Rheinland-Pfalz und Hessen; vor allem in der Agrarlandschaft), meist an wenigen langjährig traditionell besetzten Orten. Die Rastplätze des Goldregenpfeifers in Rheinland-Pfalz liegen in großen Offenlandgebieten.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5213-401 - Neunkhausener Plateau
5314-303 - NSG Krombachtalsperre
5412-401 - Westerwälder Seenplatte
5511-301 - NSG Urmitzer Werth
5610-401 - Maifeld Kaan-Lonnig
5709-401 - Maifeld Einig-Naunheim
5905-401 - Orsfeld (Bitburger Gutland)
6014-403 - Ober-Hilbersheimer Plateau
6304-401 - Saargau Bilzingen/Fisch
6716-401 - NSG Mechtersheimer Tongruben


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Beaman, M. & S. Madge (1998): Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Bezzel, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995): BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bosselmann, J. (2000): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Watvögel bis Spechte. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft V. – Mayen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon (1992): Rote Liste der in Rheinland-Pfalz gefährdeten Brutvogelarten (Stand 31.06.1992). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6: 1065-1073.

Dietzen, C. & V. Schmidt (2002): Ornithologischer Sammelbericht 2001 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 27.

Dietzen, E., Folz, H.-G. & E. Henß (2004): Ornithologischer Sammelbericht 2003 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32.

Dietzen, E., Folz, H.-G., Henß, E., Eislöffel, F., Jönck, F., Hof, M. & C. Hof (2003): Ornithologischer Sammelbericht 2002 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30.

Gnor (2001): Vogelschutz und Windenergie in Rheinland-Pfalz. Gutachten zur Ermittlung definierter Lebensraumfunktionen bestimmter Vogelarten (Vogelbrut-, -rast- und -zuggebiete) in zur Errichtung von Windkraftanlagen geeigneten Bereichen von Rheinland-Pfalz. – Erstellt im Auftrag des Landesamtes für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz, 183 Seiten; Materialien Naturschutz und Landschaftspflege 2, Mainz.

Hagemeijer, W. J. M. &  M. J. Blair (1997): The EBBC-Atlas of European breeding Birds Their Distribution and Abundance. Poyser, London.

Hötker, H. (2004): Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria in Deutschland im Oktober 2003. – Vogelwelt 125: 83-87.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002): Die Vögel in Rheinland-Pfalzeine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau.

Kunz, A. & L. Simon (1987): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau.

Rheinwald, G. (1993): Atlas der Verbreitung und Häufigkeit der Brutvögel Deutschlands – Kartierung  um 1985. Schriftenreihe des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten Nr. 12. Rheinischer Landwirtschaftsverlag, Bonn.

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M.

Svensson, L., Grant, P., Mullarney, K. & D. Zetterström (1999): Der neue Kosmos-Vogelführer. – Stuttgart.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.