Natura2000 VSG Artensteckbrief: Fluss-Seeschwalbe



Steckbrief zur Art A193 der Vogelschutz-Richtlinie

Fluss-Seeschwalbe (Sterna hirundo)


Fluss-Seeschwalbe (Sterna hirundo)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Rote Liste RLP Erhaltungszustand
x - 2 1 s ungünstig/schlecht
Status RLP Bestand D Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; verlässt das Brutgebiet im Winterhalbjahr; Durchzügler 9.000 - 10.500 Brutpaare 1 – 5 Brutpaare (schwankend) schwankend


Kennzeichen:


Länge 31 – 35 cm (davon Schwanz bis zu 17 cm). Fast rein weißer Vogel mit langem Schwanz und den für Seeschwalben charakteristischen langen, schmalen Flügeln. Sehr ähnlich der Küsten­see­schwalbe, jedoch etwas größer, langschnäbliger (mit schwarzer Schnabelspitze), langbeiniger, Kopf größer, Flügel relativ breiter, Schwanz kürzer (nur im Prachtkleid). Altvögel im Prachtkleid mit mäßig langen Schwanzspießen (im Sitzen reicht die Flügelspitze mindestens bis zur Schwanzspitze), Beine und Schnabel orangerot, letzterer mit schwarzer Spitze. Unterseite fast weiß, bei vielen Vögeln mit unterschiedlich intensivem grauem Anflug. Vögel im Schlichtkleid ähnlich, aber mit kürzeren Schwanzspießen, schwärzlichem Schnabel (an der Basis rötlich), orangeroten Beinen und weißer Stirn. Typische Rufe am Brutplatz hastig „kirikirikiri“ oder kreischend „chriiäh“.


Lebensraum:

In Mitteleuropa Brutvogel an der Nord- und Ostseeküste sowie im Binnenland zumeist an Flüssen. Brutplätze an geschützten Stellen am Boden (Inseln), wobei höhere Vegetation gemieden wird. Die Nestmulden werden häufig in kurzrasigen, lückigen Flächen angelegt. Natürliche Brutplätze im Binnenland kaum vorhanden, hier finden die meisten Bruten auf speziellen Brutflößen statt. Am Oberrhein entweder halbnatürliche Lebensräume (Kiesinseln oder Kiesflächen) oder künstliche (Nistflöße). Wichtig sind außerdem fischreiche Gewässer, in denen kleine Fische stoßtauchend erbeutet werden.


Biologie und Ökologie:

Ausgesprochener Langstreckenzieher, der im April in den Brutgebieten erscheint und im September schon wieder abzieht. Die Seeschwalben brüten zumeist in kleinen Kolonien, wobei sie gegen Feinde ein gemeinsames Abwehrverhalten zeigen. Können auch gegen Menschen aggressiv ihre Eier und besonders Jungvögel verteidigen, wobei sie sogar gezielte Schnabelhiebe auf den jeweils höchsten Punkt platzieren. Auch ist ein gezieltes Koten möglich.

Die 2 – 4 Eier werden 20 – 26 Tage lang bebrütet. Die Küken sind Platzhocker, d. h. sie können das Nest schon frühzeitig verlassen und sich in der Nähe verstecken. Die Nestlingszeit dauert 23 – 27 Tage, danach werden sie aber noch ca. 6 Wochen gefüttert. Die Bruterfolge sind über die Jahre gering, da viele Bruten durch ungünstige Witterung, Hochwasser, Prädatoren und Störungen verloren gehen. Seeschwalben können sehr alt werden. Die Jagd nach kleinen Oberflächenfischen und Krebstierchen erfolgt durch Stoßtauchen aus dem Rüttelflug.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Die Flussseeschwalbe ist mit 4 Subspezies in Eurasien bis Kamtschatka, zum Beringmeer sowie in Nordamerika bis zur Karibik verbreitet. In Mitteleuropa an der Küste konzentriert, jedoch nun auch zunehmend wieder im Binnenland an Flüssen und Kiesseen (fast 15 % des Gesamtbestandes). In Rheinland-Pfalz am Oberrhein, derzeit mit einer beständigen Kolonie bei Neuburg (6915-403), dort auf Nistflößen eines Baggersees.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

6716-401 - NSG Mechtersheimer Tongruben
6915-403 - Goldgrund und Daxlander Au


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bauer, H.-G., Berthold, P., Boye, P., Knief, W., Südbeck, P. & K. Witt (2002):
Rote Liste der Brutvögel Deutschlands (3. überarb. Fassung, 8.5.2002). – Berichte zum Vogelschutz 39: 13-60, Nürnberg.

Beaman, M. & S. Madge (1998):
Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Becker, P.H. & U. Sommer (1998): Die derzeitige Belastung der Flußseeschwalbe Sterna hirundo mit Umweltchemikalien in Mitteleuropa. – Vogelwelt 119: 243-249.

Bezzel, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995): BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bosselmann, J. (2000): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Watvögel bis Spechte. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft V. – Mayen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon (im Druck): Rote Liste der Vögel in Rheinland-Pfalz.

Dienemann, P. (1998): Schwimmkampen als Brutflöße für Flußseeschwalben Sterna hirundo. –  Vogelwelt 119: 251-252.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002): Die Vögel in Rheinland-Pfalz eine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau.

Kunz, A. & L. Simon (1987): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Orni­tho­logie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau.

Loose, J. (1998): Ansiedlung von Flußseeschwalben Sterna hirundo auf Kunstinseln. – Vogelwelt 119: 253-258.

Neubauer, W. (1998): Habitatwahl der Flußseeschwalbe Sterna hirundo in Ostdeutschland, – Vogel­welt 119: 169-180.

Raab, S. (1998): Verlust der Brutgebiete der Flußseeschwalbe Sterna hirundo an den Flüssen des Bayerischen Voralpenlandes und Möglichkeiten der Wiederansiedlung. – Vogelwelt 119: 265-270.

Siebolts, U. (1998): Reaktionen der Flußseeschwalbe Sterna hirundo gegenüber Menschen in ver­schie­denen Brutkolonien. – Vogelwelt 119: 271-277.

Stark, H. (1998): Die Bestandsentwicklung der Flußseeschwalbe Sterna hirundo am Bodensee und in der Schweiz 1976 bis 1997. – Vogelwelt 119: 133-137.

Welndeln, H. & P.H. Becker (1998): Populationsbiologische Untersuchungen an einer Kolonie der Flußseeschwalbe Sterna hirundo. – Vogelwelt 119: 209-213.

Zintl, H. (1998): Bestandsentwicklung der Flußseeschwalbe Sterna hirundo in Bayern. – Vogelwelt 119: 123-132.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.