Natura2000 VSG Artensteckbrief: Blaukehlchen



Steckbrief zur Art A272 der Vogelschutz-Richtlinie

Blaukehlchen (Luscinia svecica)


Blaukehlchen (Luscinia svecica)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
X - V 7.400 – 8.300 Brutpaare
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; verlässt das Brutgebiet im Winterhalbjahr; Durchzügler ca. 200 – 300 Brutpaare zunehmend


Kennzeichen:

Länge 14 cm. Versteckt lebender, rotkehlchenähnlicher „Erdsänger“, hält sich viel am Boden im Schutz der Ufervegetation auf. In allen Kleidern mit kennzeichnendem breitem, weißem Überaugenstreif und sehr typischen tief rostbraunen Seiten der Schwanzbasis. Männchen im Prachtkleid sind mit ihrer leuchtend blauen Kehle unverwechselbar; die rostbraunen Schwanzbasisabzeichen (gut zu sehen, wenn der Schwanz beim Landen gespreizt wird, weniger gut bei gestelztem Schwanz am Boden) und der lange weißliche Überaugenstreif sind kennzeichnend für alle postjuvenilen Kleider. Bei Männchen im Schlichtkleid ist das Blau der Kehle teilweise durch weißliche Federsäume verdeckt; Weibchen: besonders im 1. Jahr mit weißlicher Kehle und Brust, mit kennzeichnend düsterem Kinnstreif und einem bogenförmigen Abzeichen auf der Hinterbrust. Läuft flink in aufrechter Haltung auf ziemlich langen Beinen, hält mit hochgerecktem Kopf und gesenktem Schwanz inne, stelzt den Schwanz gelegentlich. Fliegt niedrig. Spreizt beim Eintauchen in die Vegetation den Schwanz, wobei die sehr kennzeichnenden rostbraunen Schwanzabzeichen kurz aufleuchten. Jungvögel gefleckt, aber mit dem gleichen kennzeichnenden Schwanzmuster wie Altvögel. Ruft hart „tack tack“ oder „tjack tjack“, aber auch klagend-pfeifend „hüit“. Gesang vielfältig und kräftig, enthält viele Imitationen; erinnert an Rohrsänger (z. B. Schilfrohrsänger), ist aber viel abwechslungsreicher und ausdauernder. Häufig einleitend ein kennzeichnendes, klingelndes „djip... djip... djip“. Singt oft aus der Deckung, aber ebenso auf einer freien Warte.


Lebensraum:

Brutvogel des Tieflandes in deckungsreichen Ufer- oder Sumpfbereichen, z. B. mit Altschilf oder Rohrglanzgrasröhricht bewachsenen Gräben, Hochstaudenfluren, dichtem Gebüsch sowie schütter bewachsenen oder freien Bodenflächen zur Nahrungssuche; als Singwarten dienen erhöhte Strukturen wie Schilf- oder Rohrkolbenhalme, Telegraphenmasten oder exponierte Weidengebüsche. Als Sekundärbiotope und Ausweichbrutareale dienen in der Kulturlandschaft meist anthropogen bedingte Strukturen wie Baggerungen, Dämme, Schilfgräben u. a. in Rapsanbauflächen, schilfumsäumte Fischteiche, wobei eine Besiedelung schon ab einer Mindestausdehnung von etwa einem Hektar erfolgen kann. Die Abundanzen schwanken zwischen im Mittel 0,7 bis 14 Revierpaaren je zehn Hektar, höhere Abundanzen werden in stärker strukturierten Gebieten erreicht. Auf dem Zug in Büschen, an Ufern, auf Ödländern und kurzrasigen Flächen.


Biologie und Ökologie:

Leitart für nasse Brachen und Sukzessionsflächen. Je nach Witterung erscheinen die Blaukehlchen schon Anfang März, das Zugmaximum liegt aber Anfang April, und der Zug endet regelmäßig Mitte Mai. Der Nistplatz liegt gut versteckt bodennah in dichter Vegetation. Legebeginn der 4 – 7 Eier ist Ende April bis Mai; Zweitbruten bereits ab Mitte Juni möglich, das Brutgeschäft ist ab Mitte Juli abgeschlossen, die Brutdauer beträgt 12 –14 Tage, die Nestlingsdauer 13 – 14 Tage. Der Wegzug beginnt Mitte Juli mit einem leichten Maximum Ende August und endet erst Anfang Oktober. Das Blaukehlchen ist Mittel- und Langstreckenzieher mit Wintergebieten von Südpolen, Nordafrika bis in die Trocken- und Feuchtsavanne südlich der Sahara von Senegal und Guinea bis Nigeria mit Schwerpunkt im Westen.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Das Areal des Blaukehlchens erstreckt sich transpaläarktisch von Westeuropa bis zur Westküste Alaskas. Den Nordrand bildet die Strauchtundra Russlands, und der Südrand verläuft an der Grenze zur Steppenzone. Zwei der 8 10 Unterarten treten in Mitteleuropa als Brutvögel auf: Die in Skandinavien verbreitete Nominatform in einzelnen Ansiedlungen in den Karpaten und Alpen sowie das Weißsternige Blaukehlchen (cyanecula) in den Tieflagen.

In Rheinland-Pfalz weitestgehend auf die Rheinebene beschränkt.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

6013-401 - Rheinaue Bingen-Ingelheim
6014-402 - Selztal zwischen Hahnheim und Ingelheim
6015-301 - NSG Laubenheimer-Bodenheimer Ried
6016-302 - NSG Kisselwörth und Sändchen
6116-402 - Schilfgebiete zwischen Gimbsheim und Oppenheim inklusive Fischsee
6216-401 - Eich-Gimbsheimer Altrhein
6315-401 - Klärteiche Offstein
6416-401 - Bobenheimer und Roxheimer Altrhein mit Silbersee
6516-401 - Neuhofener Altrhein mit Prinz-Karl-Wörth
6616-401 - Otterstadter Altrhein und Angelhofer Altrhein inklusive Binsfeld
6616-402 - Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Geinsheim und Hanhofen
6715-401 - Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen
6716-401 - NSG Mechtersheimer Tongruben
6716-402 - Berghausener und Lingenfelder Altrhein mit Insel Flotzgrün
6716-403 - Rußheimer Altrhein
6716-404 - Heiligensteiner Weiher
6815-401 - Neupotzer Altrhein
6816-402 - Hördter Rheinaue inklusive Kahnbusch und Oberscherpfer Wald
6816-404 - Sondernheimer Tongruben
6914-401 - Bienwald und Viehstrichwiesen
6915-402 - Wörther Altrhein und Wörther Rheinhafen
7015-405 - Neuburger Altrheine


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bauer, H.-G., Berthold, P., Boye, P., Knief, W., Südbeck, P. & K. Witt (2002): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands (3. überarb. Fassung, 8.5.2002). – Berichte zum Vogelschutz 39: 13-60, Nürnberg. 

Bay. Landesamt für Umweltschutz: Erhaltungsziele für die Arten der VS-RL: Blaukehlchen – Luscinia svecica.

Beaman, M. & S. Madge (1998): Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Bezzel, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995): BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bitz, A. (1984) : Beiträge zur Fauna von Rheinland-Pfalz: Zum Vorkommen des Blaukehlchens (Luscinia svecica) in Rheinland-Pfalz. – Naturschutz Ornithol. Rheinland-Pfalz 3: 298-314.

Blank, M. & H.-G. Fritz (1997): Blaukehlchen – Luscinia svecica. – In: Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (Hrsg.) (1993-2000): Avifauna von Hessen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon (im Druck): Rote Liste der Vögel in Rheinland-Pfalz.

Flade, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

Franz, D. (1989): Grundlagen und Strategien eines Schutzkonzeptes für das Blaukehlchen (Luscinia svecica cyanecula). – Schr.-R. Bayer. Landesamt Umweltschutz 92: 19-27.

Glutz v. Blotzheim, U. N. & K. M. Bauer (1980): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd. 9. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – eine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau.

Kunz, A. & L. Simon (1987): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau.

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M.

Vowinkel, K. (1982): Ergebnisse einer vierjährigen Bestandserfassung des Blaukehlchens (Luscinia svecica cyanecula) am Lampertheimer Altrhein, Kreis Bergstraße (1977-1980). – Vogel und Umwelt 2: 155-157.

Vowinkel, K. (1984): Angaben zum Vorkommen des Rotsternigen Blaukehlchens (Luscinia svecica ssp.) in Hessen. – Vogel und Umwelt 3: 79-82.

Vowinkel, K. (1985): Zur Zugphänologie des Weißsternigen Blaukehlchens (Luscinia svecica cyanecula) in Hessen. – Vogel und Umwelt 3: 227-234.

Vowinkel, K. (1986): Zur Brutbiologie und Bestandsentwicklung des Weißsternigen Blaukehlchens (Luscinia svecica cyanecula) in Hessen. – Luscinia 45: 253-278.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.